Natural History Museum

Einleitung

Im Rahmen meines Sprachurlaubs in London hatte ich werktags nach dem Unterricht in der Schule reichlich Zeit, mich den sehens- und erlebenswerten Seiten Londons zu widmen. Nach 14:30 Uhr stand mir die Welt offen. Quasi das Erlebnis nach der Pflicht. Und da die erste Woche meines Aufenthaltes sehr, sehr viel Sonnenschein bot, nutzte ich diese Zeit gerade in diesen Tagen ausgiebig.

An dem Wochenende zwischen den beiden Unterrichtswochen streifte ich am Samstag durch Londons Straßen und bewunderte die aus meiner Sicht sehenswertesten Bauwerke. Die Westminster Abbey oder den Hyde Park aus nächster Nähe  erleben, das waren tolle Momente.

Dann schlug das Wetter um. Nachfolgend einer der Orte, der einen verregneten Sonntag zu einem unvergesslichen Erlebnis machte.

Die andere Seite Londons

Die erste Woche meines Aufenthaltes in London war geprägt von Sonnenschein. Man konnte alles erledigen, was man im Freien tun wollte. Alle berühmten Bauwerke besichtigen. Ausgiebige Shopping-Touren wie in Camden Town. Die London Tower Bridge besuchen. Und natürlich diverse Führungen auf den Spuren Londoner Berühmtheiten (Jack the Ripper) oder Helden (Harry Potter) unternehmen.

Nach einer Woche zeigte sich dann plötzlich das Wetter so, wie man es London gemeinhin zuschreibt. Dicke Wolken am Himmel und reichlich Wasser von oben. Damit einhergehend eine abrupte Stimmungseintrübung. Also musste Plan B her. Dinge tun, die man irgendwo drinnen erledigen kann. Museen besuchen zum Beispiel.

Eines der meistempfohlenen Museen Londons stellt das National History Museum dar. Es steht im Internet auf sämtlichen Must-in-London-See-Sites unter den Top Ten. Entsprechend sollte dies natürlich auch mein Ziel während des 2-wöchigen Aufenthaltes sein. Also die Gelegenheit beim Schopfe packen und ab ins Museum.

Anfahrt

Per „Tube“ ist das National History Museum sehr einfach zu erreichen. Bis Station „South Kensington“ fahren und durch diverse U-Bahn-Schächte laufen. Nach einem kurzen Aufgang mit der Beschriftung des Museums stand ich schließlich vor dem Gebäude.

Der erste Eindruck

Und dieses Gebäude versprach eine beeindruckende Ausstellung. Denn wenn man allein vom Äußeren auf das Inneren schließen konnte, wartete hinter diesen Mauern Außergewöhnliches auf den Besucher.

Im Jahre 1860 im romanisch-byzantinischen Stil gebaut, ein wirklich imposantes Gebäude in London. Eine würdige Kulisse für einzigartige Ausstellungsstücke aus der Welt, in der wir leben.

Da ich schon recht früh unterwegs war, gestaltete sich die Warteschlange am Eingang recht kurz. Staus am Kassenhäuschen waren quasi nicht vorhanden, da wie – alle staatlichen britischen Museen – auch hier kein Eintrittsentgelt erhoben wurde. Einzig die mittlerweile überall Usus gewordene und sehr gewissenhafte Kontrolle der Taschen und Rucksäcke vor dem Einlass brachte einen Moment des Wartens.

Außendarstellung des Gebäudes des NHM

Eintritt

Bereit in meinem Beitrag über das British Museum schrieb ich, dass in den Museen statt Eintrittspreisen Spenden (Donations) erbeten wurden. Das war hier natürlich auch nicht anders. Man konnte klassisch seinen Obolus in große Glasvitrinen werfen.

Weit moderner und dem Zielpublikum angepasst war die bargeldlose Spende direkt am Automaten. Und das Ganze sogar kontaktlos. Drei Automaten mit jeweils einem aufgedruckten Betrag (5, 10 und 20 Pfund) standen parat. Einfach vorbeigehen, kurz seine kontaktlose Kreditkarte oder das Smartphone am Scanner vorbeiwischen und schon war man seine Spende los.

Ich finde diese Lösung gut. Freiwillig statt gezwungen. Vielleicht gefällt es einem ja nicht und manch einer geht enttäuscht nach Hause. Der spendet dann nichts. Oder man fühlt sich gut unterhalten und bekommt nach eigener Meinung richtig viel geboten. Dann sollte man dies ausreichend honorieren. Jeder das, was er diesem an Wert beimisst.

Eingangshalle NHM

Große Augen zu Beginn

In der großen Eingangshalle fiel sofort das riesige Blauwalskelett an der Decke ins Auge. Gewaltig und beeindruckend. In den Nischen ringsum in der Haupthalle verteilt dann diverse Skelette von Dinosauriern und andere hoch interessante Ausstellungsstücke.

Von dieser Eingangshalle abzweigend ging es dann in die Ausstellungen. Beeindruckend und hoch informativ. Ohne jetzt hier jedes Thema zu benennen, denn davon gab es unzählig viele, nachfolgend die mich am meisten beeindruckenden Momente meines Aufenthaltes. Die Ausstellungen, die mich am meisten gefesselt, informiert und beeindruckt haben.

Blauwalskelett am Himmel der Eingangshalle

Dann große Echsen – Dinosaurierausstellung

Von der Eingangshalle ausgehend links in einen Gang hinein, gelangte man direkt in die Welt der Dinosaurier. Was hier zusammengetragen wurde, ist schlichtweg einzigartig. Alle Epochen des Wirkens der Saurier sind in dieser großen Halle dargestellt. Vom ersten Auftreten dieser bis zu deren Auslöschung durch den apokalyptischen Meteoriten.

Als kleiner Junge war ich von diesen großen, seit 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Echsen fasziniert. Jeden Fetzen Information sog ich förmlich auf. Mit Eintritt in die Ausstellung lebte diese Faszination auf. Ich spazierte wie ein kleiner Bub mit großen, aufgerissenen Augen durch die Halle. Und war unglaublich beeindruckt. Hier hatte ich mein persönliches Highlight ganz zu Beginn gefunden.

Unzählige Skelette und Versteinerungen säumen den Weg der Besucher. Ob Knochen, Zähne, Krallen, Eier, ganze nachgestellte Ausgrabungsstätten, Replikationen der Echsen,… Alles war perfekt arrangiert. Auf dem Rundgang wurden diverse Fragen als Themen aufgenommen und auf Tafeln sowie in Vitrinen in Wort und Bild packend beantwortet. Geballte Informationen, die einen in ihrer Masse überhäufen und die man beim ersten Durchlauf gar nicht alle aufnehmen kann. Ein tolles Erlebnis.

Skelett eines Brontosaurus

Weitere Ausstellungen

Mondsüchtig?

Im Anschluss an die Dinosaurier ging es über den Gang hinüber zum Mond.

Denn in diesem Raum stand tatsächlich der Mond komplett im Mittelpunkt. Es handelte sich um die temporär installierte Ausstellung mit Namen „Museum oft the Moon“. In kompletter Dunkelheit wurde von dem Künstler Luke Jerram eine metergroße Mondnachbildung mitten im Raum aufgehängt.

Der Raum wurde mit sinnlicher Musik beschallt, was sehr gut zu der Atmosphäre passte. Dazu gab es noch reichlich Informationen zu unserem Trabanten in den Randbereichen. Von allen Seiten und mit allen Sinnen wurde man in die Beziehung „Mensch zum Mond“ hineingezogen. Man konnte sich hier einmal ganz nah an den Mond schmiegen, in dessen Schein eintauchen und diesen aus nächster Nähe betrachten. Jeder Krater, jedes Tal war nachgebildet.

Und jeder der Mondsüchtigen, der sich schon immer einmal mit seinem persönlichen Liebling ganz nah zusammen ablichten lassen wollte, konnte dies in vollen Zügen auskosten. Selfies mit dem riesengroßen Mond im Hintergrund – einfach herrlich.

Der Mond im Raum – Mondausstellung im NHM

Vergänglich und kaltblütig

Schön anzuschauen, aber aus meiner Sicht nicht das große Highlight dieses Museums, sind die vielen ausgestopften Tiere. Ob Säugetiere (Mammals), Amphibien, Reptilien oder Vögel – tausendfach kann man diese betrachten. Und, wie in den anderen Ausstellungen auch, Unmengen an Hintergrundwissen darüber aufsaugen.

Sehr imposant waren die dargestellten Wale. In Lebensgröße und in ihrer vollen Pracht. Hier konnte man erst einmal sehen, wie riesig die mächtigsten Lebewesen der Erdgeschichte eigentlich sind.

Natürlich ist es unausweichlich für eine solche Ausstellung und in Wissenschaftskreisen Usus. Aber ein bisschen taten mir all die vielen tausend getöteten und präservierten Tiere leid. Sterben zum Wohle der Wissenschaft.

Der Cocoon

Erwähnens- und sehenswert ist unbestritten auch der Cocoon, eingebettet im „Darwin Center“. Man fährt nach einer kurzen Anstehzeit mit einem kleinen Aufzug in die Höhe und bewegt sich auf abschüssigen Wegen in diesem Cocoon von Station zu Station hinab.

In dieser Ausstellung finden Groß und Klein Informationen zur Praxis. Und sie können hautnah miterleben, wie Archäologie funktioniert. Hier lernt man Methoden der Präparation und Konservierung kennen und taucht in die Welt der großen Entdecker und Forscher ein. Besonders interessant fand ich hier die Benennung gefundener Spezies. Wie diese erfolgt, sich die Namen derer also letztendlich finden und zusammensetzen.

Der Besucher konnte vielerorts selbst Hand anlegen. Denn zahlreiche Stationen luden in den einzelnen Themenräumen zum Experimentieren ein. Es wurden in diesen arrangierten Experimenten immer wieder interessante Fragen gestellt und die Vorgänge transparent veranschaulicht. Und immer wieder Vitrinen mit viel, viel Hintergrundinformation.

Ziemlich am Ende der Tour kommt man in einen Raum, in dem man Einblick in die frühe Präservation bekommt. In unzählig vielen Gläsern sind hier Tiere in Flüssigkeit konserviert worden. Man erkennt, dass diese Gläser schon sehr, sehr alt sind. Beim näheren Betrachten erkennt man zusammengerollte Schlangen, alle Arten von Fischen und sonstigen Meeresbewohnern. Tausende von Gläsern sind hier im Laufe der letzten Jahrhunderte zusammengetragen worden.

Der Cocoon – außen Gang, innen Information

Weniger Spannendes

In meinen knapp 5 Stunden Aufenthalt dort vergaß ich zwischendurch komplett die Zeit. Zu interessant waren die Informationen. Und zu spannend die Artefakte, Fragen und Geschichten.

Es gab natürlich auch Ausstellungen, die sicher in ihrem Fach einzigartig und fesselnd sind, mein Interessensgebiet nur am Rande trafen.

So waren in den oberen Stockwerken der „Earth Hall“ Mineralien und Metalle und sonstiges steinernes Zeugs ausgestellt. Dies kann man, muss man aber nicht wirklich, gewissenhaft durcharbeiten. Besonders nach 4 Stunden intensiver Wissensflut waren bei mir in diesen Räumen die Schritte doch deutlich schneller als in vielen anderen.

… und wiederum Packendes

Es gibt allerdings noch zwei Punkte und Ausstellungen, die mich sehr gefesselt hatten.

Das eine war ein Bereich, ganz oben in der Earth Hall angesiedelt. Man musste eine ganz lange Rolltreppe durch einen riesigen Globus hinauffahren. Und gelangte dann schließlich in den Bereich der Erdgeologie. Hier ging es im Allgemeinen um die Tektonenplatten. Und im Speziellen um Erdbeben. Überall krachte und stank es und jeder konnte am eigenen Leib erfahren, wie massiv ein solches Erdbeben auftritt.

Im hinteren Abschnitt der Ausstellung war das große Erdbeben in Japan vor einigen Jahren nachgestellt worden. Ein Ladengeschäft war hergerichtet und auf Monitoren konnte man sehen, wie das Erdbeben real voranschritt. Die Besucher standen auf einem beweglichen Boden und plötzlich mitten im Geschehen.

Im Moment der Katastrophe begann der Boden heftig zu wackeln. Die Lichter flackerten und es wurde dunkel. Ein ohrenbetäubendes Grollen war zu vernehmen. Es war ein Moment, der erschreckte und zugleich nachdenklich machte. Zeigte er doch, dass wir Menschen im Vergleich zu den Urgewalten unseres Planeten doch ganz, ganz kleine Lichter sind.

Rolltreppe hinauf zur Erdgeschichte

Die Location

Das andere, was mich in seinen Bann zog, war das Gebäude an sich.

Man lief gefühlt hundert Treppen hinauf und hinab. Und blickte über zahlreiche Balkone auf die Besuchermassen darunter. Dann fanden sich Rolltreppen, die die Besucher noch höher hinaufführten. Wieder im Erdgeschoss angekommen, fanden sich überall neue Räume, die wiederum erkundens- und erlebenswert waren. Themenbereiche, in die man trotz unzähliger besuchter Ausstellungen bisher noch nicht getaucht war. Und alles passend zu der Ausstellung eingerichtet.

Ich habe während meiner über fünf Stunden andauernden Entdeckungsreise viele, viele Bereiche des Museums abgelaufen. Habe unzählige Ausstellungen besucht und bewundert. Öffentliche Restaurants, Coffee Shops, Souvenirshops, Areas zum Ausruhen und riesige Toilettenräume säumten meinen Weg.

Aber bis heute weiß ich nicht, ob ich wirklich alles in diesem Komplex gesehen habe. Ich vermute mal, eher nicht. Denn wenn ich das nächste Mal vorbeikomme – und das ist ganz sicher -, werden sich mir wieder völlig neue Welten erschließen. Ausstellungen, die ich aufgrund der schieren Anzahl einfach übersehen habe.

Die Innenhalle des NHM – faszinierende Location

Fazit

Anfangs war es „The British Museum“, das mich in seinen Bann gezogen hatte. Ich dachte, dies sei das Großartigste, was ich hier in  London an Wissensfundgruben finden konnte.

Als ich dann im „National History Museum“ war, wurde meine erste Meinung schnell revidiert.  Denn von den Museen, die ich in meinen zwei Wochen Aufenthalt besucht habe, ist dies das gewaltigste und fesselndste. So viel Informationen gab es nicht einmal im British Museum. Die Themen waren unglaublich weit gefächert und detailliert aufgearbeitet. Und jede einzelne  Ausstellungen auf ihre Weise ein faszinierendes Unikat. Ich hätte während meines Aufenthalts in London noch dreimal herkommen können.

Im Natural History Museum findet jeder seine Informationen. Egal, welche Themenschwerpunkte er sucht. Ob Insekten, Säugetiere, längst ausgestorbene, vorzeitliche Tiere, Erdgeologie, die Entwicklung des Menschen. Oder noch gefühlt tausend andere Welten mehr. Von Wetter und Weltall gar nicht zu reden. Unzählige Bereiche machen es jedem leicht, der Magie des Museums zu verfallen und in seine spezielle Welt einzutauchen.

Wie auch ich, ist sicherlich ist jeder einzelne der jährlich 5 Millionen Besucher hier auf seine Kosten gekommen.

Mein Weg wird mich in Zukunft ganz sicher wieder an diesen Ort führen. Denn es gibt noch so viel Unbekanntes zu erkunden.

Aber dann bestimmt nicht mehr an einem Sonntag. Und ganz sicher nicht mehr am einem Regensonntag. Denn viele Londoner nutzten die Gelegenheit, Kind und Kegel einzusammeln und ins National History Museum zu fahren. Entsprechend war das Museum an diesem Tag bis zum Rand mit Menschen gefüllt und der Lärmpegel teilweise sehr hoch.

Das National History Museum in seiner ganzen Pracht

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