Titelbild Solarfarming

Mein Jahr als PV-Anlagenbetreiber – Auswertung 5/20 – 4/21

Die Idee

Es fing mit einer einfachen Idee an. Auf der Suche nach dem guten Gewissen fasste ich den Entschluss, mein schönes Heim etwas aufzupimpen. Umweltbewusst und nachhaltig. Mit einer PV-Anlage. Diese sollte einerseits den Stromkonsum in unserem Haus erheblich grüner machen, andererseits aber auch die Investition nicht zu einem reinen Draufleggeschäft dem Gewissen wegen machen. Nein, sie sollte sich im Optimalfall sogar komplett selbst tragen.

Die Voraussetzungen waren gut. In den letzten Jahren sind die Preise für Solarmodule und -wechselrichter stetig gefallen und man konnte schon mit verhältnismäßig geringer Investition sein Vorhaben umsetzen. Dank des Erneuerbare Energien-Programms der Bundesregierung bot sich auch für die erzeugte Mehr-Energie ein immer noch sehr attraktiver Verkaufspreis. Dieser war zwar im Einklang mit fallenden Errichtungskosten auch stetig gefallen, konnte aber dennoch vernünftige Renditen bieten.

Mit der Idee grub ich mich dann immer tiefer in das Thema ein. Und als dann viele PV-Anlagen-Besitzer aus meinem Bekanntenkreis sowie meine Kollegen unisono dazu rieten, stand mein Entschluss fest: Ich wollte Sonnenlichtfarmer werden. Ich wählte die Kombination der effektiven LUXOR-PV-Module mit einem sehr zuverlässigen und effizienten Fronius Symo -Wechselrichter.

Ausführung

Der Schritt zur Umsetzung war nicht weit. Es gibt für jeden, der sich für die Errichtung einer PV-Anlage interessiert, in der Nähe qualifizierte Unternehmen. Diese stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite und bieten die Ausführung aus einer Hand an. In meinem Fall war das die Firma „KSE“ aus Eichenzell bei Fulda.

Ich möchte jetzt hier nicht so sehr ins Detail gehen, denn all das war bereits Gegenstand eines vorherigen Beitrags. Bitte schaut euch hierzu meinen Betrag solaranlage-auf-dem-dach-mein-weg-zum-sonnenlichtfarmer an. Hier habe ich alle Schritte bis hin zur Inbetriebnahme ausführlich dargestellt.

Es ist aber nicht nur die Konzentration auf die Inbetriebnahme, die man an einer PV-Anlage mit Einspeisung ins öffentliche Netz angehen muss. Nein, es ist vielmehr das Drumherum, das am meisten Arbeit macht. Steuerliche Erfassung und Meldung, Anmeldung Marktstammdatenregister und Regelung mit dem örtlichen Energieunternehmen standen ebenso auf dem Programm wie die richtige Versicherung für den Fall der Fälle.

Detailliertere Informationen dazu erhaltet ihr in meinem o.g. Beitrag aus dem Mai 2020.

Das erste Jahr als Solarlichtfarmer

Mit den ersten Sonnenstrahlen kam auch das erste Grinsen auf mein Gesicht. Denn die ersten Tage erwiesen sich wirklich so wie verhofft. Der Mai 2020 war ein guter Einstiegsmonat, denn er brachte gute Erträge. Viel Sonne, wenig Wolken und ein dadurch schön regelmäßig brummender Wechselrichter. Ich war in dieser Zeit mehrmals täglich im Auswertungsmodul „Solarweb“ meines Fronius-Wechselrichters, denn ich konnte mich gar nicht genug an den produzierten Mengen laben.

Durch den Sommer hindurch bis in den Frühherbst machte es Spaß, Sonnenenergie mit den PV-Modulen einzufangen. Man musste kaum etwas dafür tun, dass die Erträge reinkamen. Die Zahlen sprachen jeden Monat aus, was ich mir erhofft hatte. Ja, die Anlage war ein Erfolg.

Doch mit dem nassen Herbst und dem kalten Winter drehte sich die Stimmung. Immer tiefer gingen die Ertragszahlen hinunter. Der Dezember 2020 war schon schlimm, aber der Januar 2021 war dann komplett zum Vergessen. Alle Reserven, die ich mir in den Vormonaten angefressen hatte, waren bis dahin aufgezehrt.

Mit dem Februar dann die Wende und die Erkenntnis, dass es ja doch noch Sonne gab. Ab da wuchsen die erzeugten Kilowattstunden stetig und brachten bis zum Ende des ersten Betriebsjahres ein zufriedenstellendes Ergebnis. Dazu später mehr.

Betrieb und Service

Nüchtern betrachtet hätte ich die PV-Anlagen-Versicherung für knapp 90 Euro nicht abschließen müssen. Denn das erste Betriebsjahr brachte keinerlei Störungen, Ausfälle oder Schäden. Die PV-Module fingen jeden sich bietenden Sonnenstrahl zuverlässig ein und der Fronius Wechselrichter wandelte diesen fleißig in Strom um, der dann auch größtenteils umgehend ins Netz floss. Ein gut zusammengestelltes Team werkelte da an und in meinem Haus.

Einmal hatte ich Probleme mit der Abfrage der Daten des Wechselrichters. Das lag aber nicht an diesem, sondern an meinem Internetprovider bzw. meinem Netzwerk zu Hause. Denn nach einem mehrtägigen Netzwerkausfall klappte die Verbindung zum Wechselrichter nicht mehr. Dieser fand das WIFI-Netzwerk nicht und ich konnte meinem neuen Hobby, der Abfrage der erzeugten Werte, nicht mehr nachkommen.

In diesem Fall ein dickes Dankeschön an die Hotline der Firma Fronius. Denn ein kurzer Anruf bei der Fronius-Hotline brachte Hilfe. Der freundliche und kompetente Partner am anderen Ende des Telefons half umgehend und nach wenigen Minuten funktionierte das System wieder reibungslos. Gute Technik mit einem perfekten Support. So muss es sein!

Lasst uns nun zu den Ergebnissen des ersten Betriebsjahres kommen.

Auswertung

Grundlage der folgenden Auswertungen ist meine bereits aus den Beiträgen zu den einzelnen Monaten bekannte Tabelle. Diese stellt alle Zusammenhänge anhand einer verformelten Arbeitsmappe zusammen. Auf Wunsch kann ich diese auch gerne als Excel-Datei zur Verfügung stellen.

Jahresauswertung PV-Anlage Mai 2020 bis April 2021

Produktion

Fangen wir mit der Produktion im Allgemeinen an. Diese schwankte im Laufe der Monate deutlich stärker als ich mir das vorgestellt hatte. Siehe nachfolgende Grafik:

Produktivität der PV-Anlage im Jahresablauf 2020/2021

Die fünf Monate Oktober bis Februar waren wirklich schlecht. Okay, wir hatten auch einen verhältnismäßig strengen Winter mit viel Schnee und dunklen Tagen. Aber ein wenig gleichmäßiger hätte ich mir die Verläufe doch gewünscht. Im Endeffekt wurden 14.536 Kilowattstunden erzeugt, die zu knapp 20 % (2.850 kWh) privat verbraucht wurden. Je geringer die Produktionsmenge, desto höher der Anteil Privatverbrauch.

Verbrauch

Stromverbrauch Wohnhaus im Jahresablauf 2020/2021

Hier ist es wichtig, die Werte Gesamtverbrauch sowie Bezugsquellen über das Jahr gegenüberzustellen. Denn es gibt Korrelationen, die sich auch schön grafisch darstellen lassen. Insgesamt erzielten wir einen Autarkheitsgrad von 41 Prozent. Dass heißt, wir haben 41 % des im kompletten Jahr verbrauchten Stroms mit unserer Anlage produziert. Der Rest (59 %) floss von Extern, also der RhönEnergie Fulda, in unser Haus.

Was auch auffällt: Es wird oft behauptet, in den dunklen Monaten wäre der Stromverbrauch immens höher als in den hellen. Den 505 kWh (Minimalwert) im Juni stehen 660 kWh im Dezember als Maximalwert gegenüber. Das sind gerade mal 155 kWh bzw. 30 % Mehrverbrauch. Ich hatte es mir deutlich schlimmer vorgestellt.

Gewiss ließe sich hier durch den Einsatz eines Energiespeichers ein erheblich höherer Grad erzielen. Aber auch dieser hätte in den Wintermonaten nur einen marginalen Mehrwert gebracht, da es schlichtweg keine Sonne zum Aufladen gab. Man muss darüber hinaus immer den Anschaffungspreis eines solchen von derzeit ca. 8.000 € gegenüberstellen. Und das lohnte zum Zeitpunkt der Anschaffung der PV-Anlage nicht. Eventuell später, wenn ein E-Fahrzeug in der Garage steht und über einen solchen Speicher nachts aufgeladen wird.

Kosten/Erlöse

Schauen wir uns zuerst einmal die Ertragssituation separat an. Hier sind die Werte in Euro darstellt. Der Ertrag wird mit 9 Cent pro eingespeister Kilowattstunde, die Einsparung mit 25 Cent angesetzt. Das ist der Wert, den wir für eine vom Energieunternehmen bezogene kWh zahlen müssten.

Nachfolgend meine Gesamtkostenaufstellung. Kosten sind Versicherung und die Abschreibung. Alles andere wie Kosten der Erfassung beim Stromanbieter floss in die Anlagekosten, aus dem dann der Gesamtposten „Abschreibung“ berechnet wurde. Es ist relativ überschaubar:

Nicht zu vernachlässigen ist natürlich die Frage, inwieweit man für die steuerliche Seite Hilfe benötigt. Dies kann auch einen erheblichen Kostenfaktor darstellen. Ebenso die Position „Wartung/Reinigung“. Diese ist im ersten Jahr nicht relevant gewesen, wird ab Jahr 2 mit pauschal 100 Euro kalkuliert. Ebenso kann man die aus dem Controlling bekannte Position „kalkulatorische Zinsen“ einrechnen, also das, was das eingesetzte private Kapital an Zinsen bringen kann. Der Zinssatz ist derzeit aber so gering, dass ich dies nicht einbezogen habe.

Ergebnis

Das Ergebnis errechnet sich relativ einfach. Wir stellen im ersten Schritt die Erlöse den Kosten gegenüber.

In die Berechnung der Rentabilität muss dann noch die Position der eigenverbrauchten Strommenge hineinfließen. Hier ist dies der Nettoeinkaufspreis beim örtlichen Stromanbieter. Dies ist insofern wichtig, da dieser Eigenverbrauch auch der Umsatzsteuer unterliegen. Und mit einem ungleich höheren Ansatz, da hier als Bemessungsgrundlage der Wert der Bezugskosten durch den Energieversorger angesetzt wird. Es gelten nicht die Kosten, die mich jede Kilowattstunde selbst belastet haben.

Somit schaut das Ergebnis doch deutlich freundlicher aus:

Eine interessante Variante, die ich letztendlich für meine Abrechnung mit der Steuerbehörde gewählt hatte: ich habe die Anlage zweigeteilt. 80 % sind betrieblich, 20 % privat angesetzt. Dann natürlich auch nur mit anteilig zugeordneten Nebenkosten. Und die Vorsteuer aus den Rechnungen geht dann auch nur zu 80 % retour.

Ausblick

Wer aktuell die Medien verfolgt, wird neben dem immer noch grassierenden Virus unweigerlich mit dem Begriff „Sustainability“ konfrontiert. Erneuerbare Energien sind in aller Munde. Wir müssen grüner werden, denn so wie bisher kann es nicht weitergehen. Das sind wir unseren Kindern und deren Kindern schuldig. Die Parteien werben immer stärker damit und die Herangehensweise dieser wird sicherlich auch die nächste Bundestagswahl im Herbst 2021 bestimmen und entscheiden.

Erneuerbare Energie wird unser zukünftiges Denken und Handeln beeinflussen. Dazu gehören auch weiterhin attraktive Zuschüsse bzw. unangenehme Abgaben sowie stringente Gesetze, die die Grüne Energie immer weiter vorantreiben werden. Belastend für PV-Anlagen-Planer ist allerdings die Tatsache, dass die Einspeisevergütungen stetig sinken. Waren es bei Inbetriebnahme der Anlage noch knapp über 9 Cent pro Kilowattstunde, sind es derzeit (Mai 2021) noch 7,69 Cent. In diesem Sinne bewahrheitet sich der Spruch „Zeit ist Geld“ wahrhaftig. Der Fokus der Anbieter liegt zukünftig mehr in Richtung Eigenverbrauch als auf der Einspeisevergütung. Denn auch hier bieten sich den Investoren reichlich Profite.

Fazit

Eine PV-Anlage zu konzipieren und errichten braucht schon etwas Zeit. Diese lohnt sich aber spätestens dann, wenn man sich die ersten Erträge anschaut – sofern man nicht im tiefsten Winter die Produktion aufnimmt. Es macht Spaß, der Anlage beim Produzieren zuzuschauen. Denn wenn sie erst läuft, dann meist problemlos. Also keine Arbeit mehr. Außer Buchhaltung, was natürlich auch nicht verschwiegen werden sollte. Gerade für Laien ein nicht zu unterschätzender Posten. Aber auch das findet letztendlich Routinen. Oder jemanden, der sich damit auskennt.

Neben dem guten Gewissen rechnet sich die Anlage in der Tat. Die Schwankungen innerhalb eines Jahres sind zwar beträchtlich und gerade in den dunklen Monaten schon ein wenig beunruhigend. Aber letztendlich sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache.

Es lohnt sich. Nur schade, dass ich auf meinem Eigenheim nicht noch mehr Fläche für weitere PV-Module zur Verfügung habe.

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Startbeitrag PV-Anlage

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