Solaranlage auf dem Dach – Mein Weg zum Sonnenlichtfarmer

Einleitung

Mitte Februar 2020 kam wie jedes Jahr die Jahresabrechnung meines Energieversorgers. Und wie nicht anders zu erwarten, ist Energie – in diesem Fall Strom – auch diesmal wieder teurer geworden. Eine schier endlose Spirale, die sich durch gravierende politische Eingriffe und damit höheren zusätzlichen Belastungen stetig schneller dreht.

Als kleiner Anhang lag der Abrechnung noch ein Informationsheftchen bei. Viele Worte zur Rechtfertigung der Erhöhung. Und auch eine Tortengrafik, die den aktuellen Energiemix meines Energieversorgers, der RhönEnergie Fulda, zeigt (Quelle: https://www.rhoenstrom.de/strommix).

Strommix der RhönEnergie Fulda - deutlich ökologischer als der Bundesmix
Strommix der RhönEnergie Fulda – deutlich ökologischer als der Bundesmix
Quelle: Homepage der RhönEnergie Fulda

Laut dieser Grafik hat sich die letzten Jahre in Bezug auf die Gewinnung erfreuliches getan. Der Anteil der ökologisch erzeugten Energie am Gesamtmix ist erneut gestiegen. Mittlerweile verbrauchen wir Energie, die bei der RhönEnergie Fulda zu 56,7 % aus regenerativen Quellen (Solar, Wasser, Biomasse, Wind, …) gewonnen wurde. Das ist schon mal sehr gut. Allerdings ist der Anteil der „dreckigen“ Energie immer noch sehr hoch. Knapp 30 % werden mittels Verbrennung von Kohle erzeugt, weitere 6 % per Kernkraft.

Wer unter „Strommix Deutschland“ googelt, bekommt bei Check 24 folgende Werte für Gesamtdeutschland: https://www.check24.de/strom/strommix-deutschland/

Strom aus Kohleverbrennung 29,9 %
Kernenergiegewinnung: 13,1 %
Öl, Gas: 9,7 %
Regenerative Quellen (Wind, Wasser, Biomasse und Solar): 47,3 %

Diese zwei Faktoren – „dreckige“ und immer teurere Energie – haben mich nach langem Zögern letztlich dazu bewogen, meine Energie selbst mittels einer PV-Anlage zu produzieren.

Entscheidungsfindung

Der Entschluss fiel natürlich nicht nur aufgrund des Umweltgedankens. Denn ein weiterer Faktor zur Entscheidungsfindung war die Wirtschaftlichkeit. Auch das muss irgendwie zusammen passen. In der aktuellen Zinslage ist kein Geld zu verdienen. Sehr geringe oder gar Minuszinsen zehren auf der einen Seite und die Inflation auf der anderen vehement am Ersparten. Anlagealternativen sind rar gesät. Eine davon könnte die Investition in eine PV-Anlage sein. Überall hört und liest man, welch tolle Gewinne sich damit erzielen lassen. Dazu später mehr.

Auch wenn die Entscheidung locker klingt, ist diese natürlich nicht so eben mal nebenbei und schon gar nicht aus dem Bauch heraus erfolgt. Es gibt eine ganze Menge Faktoren, die in die Überlegungen einfließen müssen, um solch ein Projekt zu realisieren. Ergänzend dazu muss das Thema Liquidität angegangen und schließlich ein vertrauensvoller Anbieter gefunden werden. Dazu steht und fällt das Ganze mit den baulichen Gegebenheiten.

In diesem Beitrag möchte ich euch mitnehmen in meine Überlegungen und Entscheidungen, die Errichtung der Anlage und natürlich die Ermittlung der Wirtschaftlichkeit im realen Betrieb.

Herangehensweise

Den Start macht die Realisierbarkeit. Welche Faktoren haben mich zu welcher Anlage bewogen? Welche Werte werden voraussichtlich generiert? Wie teuer ist das Ganze? Und auch die Finanzierung ist ein Thema.

Und nach der Montage der Anlage (Beschreibung siehe unten) könnt ihr mich in meinem Nebenjob als PV Anlagen-Besitzer begleiten. Ihr erfahrt, wie das Ganze steuerlich behandelt und in der Praxis abgewickelt wird und ich veröffentliche regelmäßige wirtschaftliche Auswertungen. Sicherlich ist es für jeden interessant zu erfahren, ob die von den Herstellern der PV-Anlagen in ihren bunten Prospekten so vielversprechend dargestellten Ergebnisse auch in der Praxis realisierbar sind.

Gerade die Amortisation, also die Zeit, die die Anlage braucht, um in die Gewinnzone zu kommen, ist für die investierenden Haus- und PV-Anlagenbesitzer ein ganz wichtiger Faktor. Klar, in erster Linie geht es mir um das gute Gewissen. Aber der Ökonom in mir möchte keine größeren Verluste, sondern seinen kleinen Ertrag in dieser Geldanlage sehen.

Und mittel- bis langfristig ein hübsches E-Auto mit selbst erzeugtem Strom zu fahren, verspricht ja auch seinen eigenen Reiz. 

Auswahl und Auftrag

Rechenaufgaben

Marktentwicklung

Vor einigen Jahren wurde man von den Energieunternehmen mit attraktiven Einspeisevergütungen gelockt. Jedes Kilowatt an selbst erzeugtem Strom, das nicht verbraucht, sondern ins öffentliche Netz eingespeist wurde, erfuhr eine für heutige Verhältnisse fürstliche Entlohnung.

So bekam man beispielsweise einstmals für jede ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde 57,4 Cent vergütet. Dies war damals im Jahr 2004 der Gipfel der Einspeisevergütung, von dem es dann stetig abwärts ging. Es sollte dazu fairerweise auch erwähnt werden, dass zu jener Zeit für die installierte PV-Anlage ein halbes Vermögen aufgewendet werden musste. Und das aufgrund der Höhe damals oft fremdfinanziert. Also mit regelmäßig zu leistenden Zinsen gekoppelt. Und die waren damals nicht negativ, sondern ganz schön happig.

Seit 2004 sind die Einspeisevergütungen stetig und stark gefallen. Aktuell bekommt man bei unserem Stromanbieter ca. 9,7 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Je nach Größe der Anlage kleine Differenzen. Und jeden Monat, den man mit der Installation der PV-Anlage wartet, fällt dieser Wert um aktuell 1,4 % des jeweiligen Vergütungsbetrags.

Sobald man den Vertrag mit dem Stromversorger abschließt, “friert man den zu diesem Zeitpunkt gültigen Vergütungssatz ein” und der erzielte Wert gilt dann für die kommenden 20 Jahre. Es lohnt also durchaus, schnell zu sein.

Marktchancen

So sehr man sich ärgern mag, nicht 2004 in das große Geschäft eingestiegen zu sein, so ist eine „Stromfarm“ auf dem eigenen Dach auch heute noch attraktiv. Denn die letzten Jahre galten die Gesetze des freien Marktes. Je mehr Module und Wechselrichter produziert wurden, desto günstiger wurden deren Preise.

Die Wechselbewegung „Preissenkung Vergütung“ versus „Rückgang der Anschaffungskosten“ macht eine solche PV-Anlage auch heute noch wirtschaftlich. Lag vor einem Jahr der Preis für eine Anlage noch bei ca. 1.300 €/kWp, bekommt man diese mittlerweile (Anfang 2020) für grob 1.000 € je kWp-Leistung aufs Dach – incl. Wechselrichter, Verkabelung und Montage. (Alle Preise netto, also ohne MwSt. – mehr dazu im Steuerteil). Die Abkürzung kWp steht „Kilowatt peak“, also die Leistung einer Photovoltaikanlage unter genormten Bedingungen (= “Nennleistung“). Auf diese Norm wirken in der Realität Wetter- und Betriebsbedingungen negativ ein.

Grundvoraussetzungen für die Installation einer Solaranlage

In erster Linie ein ausreichend großes, stabiles Dach, auf dem montiert werden kann. Und dessen Ausrichtung. Ergänzend dazu noch die Entfernung zum Stromanschluss im Haus. Und etwas steuerliches Geschick. Denn das Finanzamt spielt hier auch mit. Es muss auch nicht zwingend das eigene Dach sein. Es gibt genug Modelle, in denen beide (Hausbesitzer und Investor) zusammen gute Gewinne machen.

Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen, ein paar Fakten:

Ausrichtung und Neigung

Die Ausrichtung nach Süden ist optimal. Jede Abweichung kostet in der Theorie Lichtvolumen, also Ertrag. Allerdings bedeutet eine leicht westliche oder östliche Ausrichtung nicht automatisch, dass eine Anlage nicht lohnt. Auch da lassen sich noch sehr gute Ergebnisse erzielen.

Ergänzend zur Ausrichtung muss die Dachneigung passen. 32 Grad Dachneigung bilden in der Theorie die beste Voraussetzung. Wie bei der Ausrichtung auch, ist eine Abweichung vom Optimum kein Ausschlusskriterium.

Selbstverständlich dürfte sein, dass die Konstruktion des Dachs auf die gesamte Nutzungsdauer ausgerichtet sein soll. Was nützt ein sanierungsbedürftiges Dach, das die Anlage nur wenige Jahre sicher tragen wird? Wir reden von einer Investition über mindestens 20 Jahre. Die Unterkonstruktion sowie der Ziegelzustand sollten mindestens darauf abgestimmt sein.

Zu beachten ist darüber hinaus die freie Sicht auf die Sonne. Ebenso auch der Schutz vor den Extremen des Wetters. Man sollte immer auch den vorhandenen Bewuchs in der Zukunft im Blick haben. Kleine Bäume können später zu großen Lichträubern werden.

Die Anlage

Es gibt viele Faktoren bei der Auswahl der richtigen PV-Anlage. Die Entscheidung über die Größe der mit Modulen belegten Dachfläche ist sicher die wichtigste.

Dazu der Fragenkatalog: Was gibt das Dach maximal her? Und kann ich mir das leisten? Soll es deutlich mehr als benötigt sein? Statt der anfangs geplanten 10 kWp dann doch lieber Module für insgesamt 15 kWp? Oder noch mehr? Kann der theoretisch angesetzte Eigenverbrauch des produzierten Stroms (ohne Speicherlösung ca. 33 % des bisherigen Verbrauchs) sinnvoll erweitert werden? Und natürlich: Was kostet eine Speicherlösung? Und wie zukunftssicher ist diese?

Diesen gilt es gewissenhaft durchzuarbeiten und seine eigene Strategie/Lösung zu finden. Am besten bei dem Anlagenbauer seines Vertrauens. Dort lassen sich alle Modelle fix in Zahlen ausdrücken.

Finanzierungsfragen

Es stellt sich immer die Frage, ob die Anlage eigen- oder fremdfinanziert werden soll. Viele Hausbesitzer überlegen auch, die Anlage lieber etwas größer zu bauen und damit die aktuell günstige Zinslage auszunutzen.

Auf die gesamte Nutzungsdauer berechnet, lohnt sich dieser Ansatz durchaus – zumindest in der Theorie. Fremdkapital gibt es schon für unter 2 Prozent p.a., moderne Anlage haben Erträge von mehr als 5 Prozent. Im Gesamtertrag über die 20 Jahre hochgerechnet, wohlgemerkt. Und hier liegt für mich der Hund begraben. In zwanzig Jahren kann viel passieren. Zwar nicht an den reinen Modulen, die haben genug Garantie. Das Unvorhergesehene kann aber nicht völlig ausgeschlossen werden. So zum Beispiel drastische Einschnitte in der Vergütung oder eine unattraktive Anschlussfinanzierung. Auch der Wechselrichter hat in der Regel keine 20 Jahre Garantie.

Deshalb in meinem Fall die Entscheidung: keine PV-Module gegen Fremdkapital.

Beauftragung

Die für die Vorüberlegungen relevanten Fakten wurden mir dann beim Gespräch vor Ort mit dem Anlagenbauer (https://www.kse-energie.de/) dargelegt. Nachdem das Dach, das für die Montage der Anlage vorgesehen war, digital mittels Google Maps auf dem PC eingemessen wurde, konnten imaginäre PV-Module auf dieses gezogen werden. Mittels umfangreicher, aber leicht verständlicher Excel-Tabellen wurden dann mehrere Szenarien durchgespielt. Es handelte sich um Variationen in der Modulbestückung, der Belegung der Dachteile und auch Einbeziehung von Speicherlösungen. Und das Ganze immer mit dem Gesichtspunkt der Ertragsoptimierung.

Die Variante mit einem installierten Stromspeicher (Batterie) ist schon alleine deshalb überlegenswert, da diese den Anteil des eigenen Stromverbrauchs, der durch die PV-Anlage eingespeist wird, rechnerisch von 33 auf 75 Prozent hebt. Komplett vom Stromanbieter autark wird man auch dadurch in der Regel nicht, aber der selbst erzeugte Strom ist damit deutlich günstiger als der hinzugekaufte. Nachteil der Speicherlösung: die Teile sind aktuell noch sehr teuer und lassen die Amortisierung der Anlage weiter nach hinten rücken.   

Letztendlich entschied ich mich gegen den Speicher und dafür mehr Module auf dem Dach. Zum einen bedeuten mehr Module mehr Ertrag und zum anderen spekuliere ich damit, dass die Speichermodule, die man auch später noch nachrüsten kann, in den kommenden Jahren deutlich im Preis fallen werden. Dann wird auch das Thema E-Autos wieder interessant.

Die Anlage in Zahlen:

Wechselrichter Fronius Symo 15.0-3-M
Wechselrichter Fronius Symo 15.0-3-M

Module: 44 x LUXOR Eco Line Half Cells M120/LX-335M mit 335 Wp

Wechselrichter: Fronius Symo 15.0-3-M Multistringwechselrichter incl. Datenmanager

Die Beauftragung erfolgte am 17.02.2020 nach einer Nacht Schlaf und kurzer Rücksprache mit den Solar-Experten meines Unternehmens.


Montage

Diese vollzog sind in zwei Schritten:

Montage auf dem Dach

Am Montag, den 6. April, rückten die ersten Arbeiter der Firma KSE GmbH & Co. KG an. Punkt 7:30 Uhr standen sie mit ihrem Montagefahrzeug und Gerüst-Anhänger auf dem Hof. Hierbei handelte sich um die Dachabteilung. An diesem Montag und dem folgenden Dienstag wurden die auf dem Dach nötigen Arbeiten durchgeführt. Dazu noch die Kabel an die Stelle gelegt, die dann später zur Montage des Wechselrichters vorgesehen ist.

Es ist vollbracht - die PV-Module sind montiert.
Es ist vollbracht – die PV-Module sind montiert.

Los ging es mit dem Aufbau des Gerüsts, was durch die drei effizienten Monteure am Vormittag innerhalb kurzer Zeit erledigt war. Dann stiegen sie aufs Dach. Die Schienen, in die später die Module eingesetzt werden sollten, wurden auf die Dachsparren gesetzt. Das war eigentlich der aufwendigste Part der Montage. Sie wurden eingepasst, ausgerichtet und ganz am Ende mussten auch noch die Ziegel entsprechend eingeschnitten werden. Ein zeit- und auch lärmintensiver Arbeitsschritt.

Der zweite Tag beinhaltete die Montage der Solarmodule auf dem Dach sowie die Verlegung der Kabel. Das war der für den Bauherren deutlich angenehmere Tag. Denn jetzt sah man merkliche Fortschritte und konnte dann abends die neuen PV-Dachmodule bewundern. Sah schön aus, brachte aber noch nichts, denn die Ernte der eingefangenen Sonnenstrahlen lag noch in weiter Ferne.

Nach den üblichen Abschlussarbeiten und Abbau des Gerüstes war am frühen Dienstagnachmittag Part 1 der Montage abgeschlossen. Nun sollte es noch knapp zwei Wochen dauern, bis dann die Elektroinstallateure anrückten.

Installation Elektro

Am Freitag, den 17. April, war es soweit. Die Elektroinstallateure kamen. Zwei Mann stark. Das war auch nötig, denn der Wechselrichter, immerhin knapp 20 Kilo schwer, musste an die Wand gehängt werden.

Nach ca. 5 Stunden mit zwischendurch einer halben Stunde Stromausfall hing die Anlage und konnte für den Betrieb getestet werden. Die Verbindung mit dem hauseigenen WLAN war fix erledigt und als dann auch die Verbindung mit dem Netzwerk des Wechselrichterproduzenten Fronius stand, konnte man die ersten Früchte der Arbeit anschauen.

Über die Website „solarweb.com“ registrierte der Elektriker die Solaranlage und schon konnte man in die Auswertung eintauchen. Es gibt dort die sehr informativen Rubriken „Ertrag“ – Was habe ich verdient und „CO2-Ersparnis“ – Was habe ich für die Umwelt getan? Dazu noch das Wetter inklusive Vorhersage. Dazu später mehr.

Auszug aus dem Solarweb.com - Portal
Auszug aus dem Solarweb.com – Portal

Denn schon nach wenigen Minuten Betrieb war die Freude vorbei. Die Anlage musste abgestellt werden, da noch der letzte Schritt ausstand – Montage eines Zählers durch den örtlichen Netzbetreiber. Schade, wenn man schon mal Blut geleckt hat und abrupt abbrechen muss. Aber gut, es war ja nur ein Aufschub. Jetzt hieß es warten. Warten auf die Installateure von Osthessennetz, meinen örtlichen Energiebetreiber.

Inbetriebnahme

Dieser Punkt beinhaltete bei meiner Anlage etwas Kopfzerbrechen. Denn durch den Anlagenbauer wurde etwas versäumt. Der Netzbetreiber konnte dadurch den nötigen Stromzähler nicht setzen. Die Inbetriebnahme verzögerte sich dadurch merklich. Genaueres findet ihr in meinem Beitrag unter dem Thema “Penetranz”.

Aber dank umfassender Hilfe und der wirklich vorbildlichen Abwicklung bei Osthessennetz konnten wir gerade noch vor Ende des Monats in Betrieb gehen. Der Monteur kam noch am Abend und somit erfolgte die Inbetriebnahme schließlich knapp 2 Wochen nach baulicher Fertigstellung durch den Anlagenbauer.

Ein wichtiger Tipp am Rande:
Ein Wechselrichter macht Geräusche. Zumindest meiner auch merkliche. Ein permanentes Lüftergeräusch bei der Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom. Glücklicherweise hatten wir einen nicht genutzten Lagerraum für die Montage vorgesehen. Im Wohnbereich hat dieses Ding auf keinen Fall etwas zu suchen. Es brummt ständig. Auch wichtig: eine stabile WLAN-Verbindung. Der Wechselrichter sollte also irgendwie im Hausnetz eingebunden werden können.

Papierkram:

Finanzamt

Einkommensteuer

Wenn es um das Thema „Einnahmen“ geht, steht automatisch das Finanzamt an erster Stelle. Da in meinem Fall der nicht genutzte Strom in das öffentliche Netz gegen einen Obolus einspeisen werden soll, ergeben sich nun mal Einkünfte und als Folge (hoffentlich) auch irgendwann Gewinne. Zum einen gilt der Betrieb einer Anlage bei Einspeisung ins Netz offiziell als ein Gewerbe. Da ist es logisch, dass dann die erzielten Einkünfte auch in die Steuererklärung müssen. (Es ist allerdings entgegen der geläufigen Meinung nicht nötig, nur für den Betrieb einer PV-Anlage einen Gewerbebetrieb anzumelden.)

Die Gewinnermittlung ist nicht das Problem. Eine einfache Einnahmen-Überschussrechnung ohne große buchhalterische Kenntnisse ist auch von nicht versierten Betreibern erstellbar. Allerdings sollte man in Bezug auf Abschreibung der Anlage und die Umsatzsteuerabwicklung (s.u.) zu Beginn fachlichen Rat nicht ausschlagen.

Umsatzsteuer

Zum anderen stellt sich die Frage nach der Umsatzsteuer. Wer schon Unternehmer ist, ist meist auch bereits in der Umsatzsteuer veranlagt, fällt also automatisch in diese Regelung. Man kann bei gering erwarteten Einkünften alternativ die Option ziehen, nach Kleinunternehmerregelung nicht in der Umsatzsteuer veranlagt zu werden. Das heißt nichts anderes, als dass man „Brutto wie Netto“, also alles als Gesamtbetrag, steuerlich berechnet.

Das hat aber auch Nachteile. Denn nur wer die USt.-Option zieht, kann sich die beim Kauf der Anlage geleistete Vorsteuer in Höhe von 19 % im ersten Jahr komplett erstatten lassen. Im Gegenzug muss er die brutto vom Energieunternehmen erhaltene Vergütung um die enthaltene Mehrwertsteuer vermindern, wenn es um die Renditeermittlung geht. Die 19 % Umsatzsteuer führt man mittels Umsatzsteuererklärung direkt an das Finanzamt ab.

Im Umkehrschluss nimmt der PV-Anlagen-Betreiber ohne Umsatzsteueroption die Anlage inklusive der Mehrwertsteuer in seiner Buchhaltung auf. Alle laufenden Kosten und die erhaltene Einspeisevergütung werden brutto, also inkl. MwSt., bei der Gewinnermittlung berücksichtigt.

Die Umsatzsteuer-Option ist nicht immer die bessere. Auch der ins Hausnetz eingespeiste Strom wird als steuerpflichtig angesehen und frisst somit an der Rendite. Zudem ist der bürokratische Aufwand mit Umsatzsteuer deutlich höher. Hier muss jeder selbst entscheiden, was in seinem Fall die günstigere Lösung ist. Man kann in den meisten Fällen auch später nach einer Frist die Kleinunternehmensoption ziehen.

In meinem Fall besteht ein seit Jahren ruhendes Unternehmen mit Umsatzsteuerpflicht. Die Optionenauswahl entfiel dadurch. Ein kurzes Schreiben an das örtliche Finanzamt informierte dies von meinem neuen Vorhaben und setzte den Umsatzsteuerabgaberhythmus auf vierteljährlich.

Marktstammdatenregister

Alle „Marktakteure“, also auch wir als PV-Anlagenbetreiber mit Einspeisung ins öffentliche Netz, müssen sich im Marktstammdatenregister eintragen. Dies erfolgt nicht automatisch, sondern muss aktiv angegangen werden. Es ist aber auch kein großes Hexenwerk. Die Menüführung ist einfach und die Beschreibung bei den einzelnen Punkten sehr klar. Als Lohn für die Mühe gibt es am Ende eine Registernummer, die dem Strom empfangenden Energieunternehmen mitgeteilt werden muss. Apropos…

Energieunternehmen

Auch hier ist etwas Büroarbeit nötig. Zwar hatte mein Anlagenbauer alle für die Anlage nötige Anmeldearbeiten von sich heraus für mich erledigt. Allerdings musste nach Eingang der Anlagenbestätigung meines Betreibers „Osthessennetz“ noch die „Erklärung zur Umsatzsteuer/Bankverbindung“ ausgefüllt und dorthin gesandt werden.

Hier werden ein paar Fragen zur Anlagengröße, zum Standort, zur Umsatzsteuer (siehe oben) und allgemeinen Steuer sowie Bankverbindung abgefragt. Ist normalerweise in ein paar Minuten erledigt und abgeschickt.

Versicherung

Ein leidiges Thema. Da hat man bei Beauftragung der Anlage gute Gewinne vor Augen geführt bekommen und dann kommen die ungeplanten Kosten dazu. So auch die Versicherung. Das waren zum einen höhere Kosten bei der Wohngebäudeversicherung des Gebäudeinhabers. Und zum anderen die Photovoltaik-Versicherung des Anlagenbetreibers.

Jeder gewissenhafte Betreiber sollte eine solche abschließen. Sie beinhaltet nicht nur Schäden an der Anlage, sondern erstattet auch einen Ertragsausfall. Es werden praktisch alle Gefahren, die auf die PV-Anlage zukommen können, abgedeckt. Meist mit geringer Selbstbeteiligung. Oft lässt sich diese direkt in eine bestehende Gebäudeversicherung nachträglich einschließen. Wer allerdings die Anlage auf fremdem Dach montiert, kommt um eine eigenständige Versicherung nicht umhin.

Es gibt mittlerweile einige Anbieter reiner PV-Anlagen-Versicherungen. Im Internet finden sich zahlreiche Vergleiche und auch der freundliche Versicherungsmakler vor Ort kann hierfür gute und attraktive Konditionen bieten. Mein Tipp: wer auf allen Kanälen (Makler, Internet, aktuelle Gebäudeversicherung) anfragt, bekommt reichlich Informationen und Preise, die auch gut vergleichbar sind.

Status Quo

Seit dem 30. April 2020 bin ich nun aktiver Sonnenlichtfänger. Meine PV-Anlage nimmt Licht an guten und auch schlechten Tagen auf und wandelt diese in Strom um. Sie speist diesen fleißig ins Netz ein und deckt den im Tagesablauf gezogenen Strom zu großen Teilen.

Gefühlt jede Stunde schaue ich mir die hübschen und aussagekräftigen Auswertungen meiner Anlage über das Solarweb-Portal an und ertappe mich bereits dabei, meinen täglichen Ablauf darauf abzustimmen. Sehr zum Leidwesen meiner Mitbewohner.

Was noch aussteht und zeitnah ergänzt wird, ist, wie die Einspeisung durch “Osthessennetz” erfolgen wird. Und im Juli steht die erste Umsatzsteuervoranmeldung an. Auch hierzu werde ich euch berichten

Und wenn der erste Monat (Mai 2020) durch ist, werde ich in diesem Beitrag ein paar Daten aus der Praxis veröffentlichen. Dann können wir schon mal sehen, wo die Reise voraussichtlich hingehen wird.

Bis dahin genieße ich meine neue Leidenschaft in vollen Zügen. Denn jetzt macht jeder Sonnentag doppelt Freude.

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