Plastik-Challenge – Überlegungen zum Start

Das Thema

Mein erster Beitrag und somit der Einstieg ins Thema „Plastikeinsparung“ sollte aufwecken. Er resultierte aus einem Bericht der Zeitschrift „How It Works“, der mich stark bewegte und mir vor Augen führte, wie gnadenlos der „Spezies Mensch“ mit seiner Umwelt umgeht. Und einer der Hauptfaktoren, der so, wie er aktuell praktiziert wird, Flora und Fauna in der Existenz bedroht, ist das Plastik – der Kunststoff.

Verschmutzung bedroht die Erde in allen Facetten

Mittlerweile haben auch Politik (nicht zuletzt aufgrund des Höhenflugs der Grünen) und Wirtschaft erkannt, dass dieses Thema jeden angeht und erste Versuche unternommen, von sich heraus erste Gegensteuerungsmaßnahmen einzuleiten. Auf die neue EU-Verordnung, die in wenigen Jahren bestimmte Einwegkunststoffprodukte verbietet oder die Maßnahme des Einzelhandels, Plastiktüten nur noch gegen eine zugegeben geringe Gebühr abzugeben, möchte ich hier kurz verweisen. Auch gibt es Unternehmen wie z.B. in meiner Region die Firma „Ecogy“, die Kunststoffabfälle ohne weitere Schadstofferzeugung in Kraftstoff umwandeln will.

Leider werden auch diese zaghaften Versuche nur ein paar Tropfen auf dem heißen Stein sein. Denn zum einen betreffen diese nur bestimmte Regionen, also in diesem Fall Europa (EU-Verordnung) oder Deutschland (Einzelhandel). Und zum anderen lassen diese sich leicht umgehen, indem man einfach etwas Geld für die Tüten ausgibt oder im Ausland einkauft. Und tiefgreifende Korrekturen in der gesamten globalen Wirtschaft werden sie sicherlich nicht alleine bewirken.

Vielgeliebte Einwegtragetasche

Der Aufruf

Aus diesem Grund mein Appell an alle Verbraucher, denen ihre Umwelt und damit auch das Wohl der Nachkommen wichtig ist: Fangt bei euch selbst an! Jeder einzelne kann seinen Beitrag dazu leisten. Auch wenn dieser noch so gering ist, ist er doch ein Gewinn für die Zukunft. Und eine kleine Bewegung hat in der Vergangenheit nicht selten große, durchschlagende Wellen ausgelöst. Die Berichte in den Medien zeigen, dass immer mehr Menschen umdenken. Die Umwelt rückt mehr in den Focus.

Für mich war der Vorsatz, mich dieser Bewegung anzuschließen, schnell gefasst. Auch ich möchte bewusst Plastik zu sparen und meinen kleinen Beitrag für eine bessere Zukunft leisten.

Bewusster Start

Um nicht komplett in ziellosen Aktionismus zu verfallen und auch Hintergrundwissen zu der ganzen Problematik zu gewinnen, stürzte ich mich in die Welt des Internet. Darüber hinaus fand ich in der Literatur sehr interessante Bücher, die sehr fundiertes Wissen vermitteln und Möglichkeiten beschreiben, wie der avisierte Weg verfolgt werden kann.

Erwähnenswert ist hier u.a. die Internetseite „https://www.smarticular.net“, welche mir von Anja in einem Kommentar zum Thema wärmstens empfohlen wurde. Es geht hier generell um nachhaltiges Leben und die Beiträge sind wirklich sehr informativ. Vielen Dank, Anja. Die Tipps dort, verbunden mit dem umfangreichen Hintergrundwissen, sind Gold wert.

Beim Stöbern im Buchladen ist mir das „Plastik-Sparbuch“ in die Hände gefallen, welches neben Grundlegendem zum Thema spezielle Wege der „Plastikeinsparung“ beschreibt. Herausgegeben von den Betreibern der oben genannten Website Smarticular. Es gibt in diesem Werk Fakten zum Thema und ganz viele Tipps zum Ausprobieren. Vielleicht nicht für jeden sinnvoll oder praktizierbar, aber jeder Tipp trägt dazu bei, im täglichen Ablauf einen kleinen Schritt näher ans Ziel zu gelangen. Und was sprich dagegen, sein Spülmittel selbst herzustellen?

Plastiksparbuch von smarticular

Was ist eigentlich Plastik?

Ein wenig Theorie. Keine Angst, ich werde mich hier nicht in chemischen Gleichungen auslassen. Allerdings ist das Wissen sinnvoll, wenn es um die anschließende Prioritätensetzung der Plastiksparmaßnahmen geht.

Der Rohstoff für Plastik ist zumeist Erdöl. Alternativ auch Kohle und Erdgas. Durch Aufspaltung werden im Endprodukt langkettige Moleküle erzeugt, die die einzigartige Formbarkeit von Plastik ermöglichen. Additive verändern die Eigenschaften des Materials.

Und diese Additive zur Eigenschaftenbeeinflussung sind die Krux. Jeder hat schon von zugesetzten Weichmachern, Flammschutzmitteln und Stabilisatoren gehört und gelesen. Diese werden von unserem Körper über die Haut, die Atmung und die Nahrung aufgenommen. Der Weichmacher BPA (Bisphenol A) ist das bekannteste Additiv und nachgewiesenermaßen gesundheitsschädlich.

In allen möglichen Produkten findet sich BPA. So auch in Verpackungen, Plastikgeschirr, Spielzeug, mikrowellenfestem Geschirr, Milchtüten, Flaschen und Behältern für Lebensmittel und Getränke, Thermopapier sowie in Dosenbeschichtungen. Von elektronischen Geräten, CDs, Kunststoff in unseren Fahrzeugen, Klebstoffen und noch vielem mehr ganz zu schweigen. So erklärt sich dann wohl auch der stechende Geruch beim Öffnen mancher Kunststofftrinkflasche und beim Hinlegen auf die neuen Gymnastikmatten im Studio.

CDs – eine BPA-Quelle
Täglicher Einwegplastikwahnsinn – Becher

Einsparungswertigkeit

Nicht jedes Plastikteil ist automatisch schlecht. Gerade in der Medizin ist es aus Hygienegründen nicht mehr wegzudenken. Und auch im Haushalt hat Kunststoff in vielen Punkten seine Berechtigung. Ohne den Einsatz von Kunststoff sähe es auf der Welt heute anders aus. Kabelisolierungen, Gehäuseformen oder Bauteile der Elektronikindustrie ermöglichten erst den industriellen Fortschritt.

Unbestritten ist es eine Herausforderung, den Weg des Plastikverzichts konsequent zu beschreiten und möglichst jedes Plastikteil gegen ein unbedenkliches aus einem anderen Material auszutauschen. Allerdings sollte man hier auch die Kirche im Dorf lassen. Manches ist einfach nicht austauschbar. Dafür gibt es einfach keine Alternativen. Und jede liebgewonnene Vorratsdose, Schüssel oder Tüte bedingungslos wegzuschmeißen ist ja auch nicht im Sinne der Umwelt.

Aus Praktikabilitätsgründen sollte man deshalb seine Einsparungsvarianten nach Wertigkeit ausrichten. Denn jedes Produkt hat einen gewissen Einfluss auf die eigene Gesundheit, unsere Umwelt und Ressourcen bei der Herstellung. Das ist das „Schadpotenzial“. Und es hat eine Nutzungsdauer. Diese ist beispielsweise bei Hundekottüten und Umverpackungen sehr kurz (einmaliger Gebrauch) und bei der Tupperdose, dem Kochtopf und der Leitz-Papierablage (immer wieder gerne genutzt) sehr lang.

Unter der Betrachtung, ob man das plastikbehaftete Teil problemlos durch ein anderes Produkt, welches keine Schadstoffe enthält, ersetzen kann, lässt sich der Austauschbarkeitsfaktor (leicht oder schwer) ermitteln.

7.500 Luftballons fürs Auge und gegen die Natur

Die Einstufung

Und nach diesen Kriterien sollten wir unser Augenmerk ausrichten und Einsparungen vornehmen.  Aufsteigend von A bis H. Die so genannten „A“-Produkte sollten sofort eliminiert werden, darunter stehende Stufen dann im nächsten Zug.

A – Geringe Nutzungsdauer, leicht austauschbar und hohes Schadpotenzial

B – Geringe Nutzungsdauer, leicht austauschbar und niedriges Schadpotenzial

C – Lange Nutzungsdauer, leicht austauschbar und hohes Schadpotenzial

D – Lange Nutzungsdauer, leicht austauschbar und niedriges Schadpotenzial

E – Geringe Nutzungsdauer, schwer austauschbar und hohes Schadpotenzial

F – Geringe Nutzungsdauer, schwer austauschbar und niedriges Schadpotenzial

G – Lange Nutzungsdauer, schwer austauschbar und hohes Schadpotenzial

H – Lange Nutzungsdauer, schwer austauschbar und niedriges Schadpotenzial

Die Anwendung

Es hört sich kompliziert an, die Umsetzung ist aber ganz einfach. Nehmen wir zum Beispiel nachfolgende Produkte:

  • Die umfangreiche Umverpackung des Salatcup vom Discounter: geringe Nutzungsdauer (gND), da nach einmaliger Verwendung entsorgt, durch Verwendung frischer Zutaten leicht austauschbar (lA) , lebensmittelschädliches Kunststoff bewirkt hohes Schadpotenzial (hSP). Dies gehört in  Gruppe A. Als Folge sollte dies unbedingt eingespart werden.
  • Babywindel: gND (mehrere am Tag), Stoffwindeln als Alternative machen es lA und Weichmacher sind schädlich (hSP) –> Gruppe A –> unbedingt einsparen.
  • Hundekottüten: gND (einmalig), lA durch Papiervariante, hSP im Material –> Gruppe A –> unbedingt einsparen.
  • Vorratsdose Tupperware (BPA-frei): hohe Nutzungsdauer (hND), da quasi unzerstörbar, lA durch Einsatz von Metalldosen, niedriges Schadpotenzial (nSP) –> Gruppe D –> später bei Bedarf gegen Metalldose ersetzen.
  • Laptop: meist mehrere Jahre im Einsatz, folglich hohe Nutzungsdauer (hND), schwer austauschbar (sA) – außer durch Rechenschieber ?. Dazu hohes Schadpotenzial (hSP) –> Gruppe G –> so lange wie möglich einsetzen (reparieren lohnt sich).
  • Plastikstrohhalme: gND (ein Zug und weg damit), Bambus, Makkaroni und Metall als Alterativen (LA) und Weichmacher sind schädlich (hSP) –> Gruppe A –> unbedingt einsparen.
  • Cola in Pfand-Einwegflaschen (PET): gND (einmal leer und ab in die Presse), Mehrwegglasflaschen machen es lA und Mikroplastik, das vom Getränk aufgenommen wird, macht es schädlich (hSP) –> Gruppe A –> unbedingt einsparen.
Salatcup vom Discounter

Diese Kriterien kann man natürlich auf alle Produkte des täglichen Lebens anwenden. Manchmal erfordert es etwas Detektivarbeit, wenn es um die Inhaltsstoffe, also das Schadstoffpotenzial, geht. Aber es lohnt sich, denn ihr werdet sehen: jede Herausforderung stachelt an und schon nach kurzer Zeit entwickelt man eine Spürnase dafür.

Und nach dieser Gewichtung mache ich mich jetzt ans Werk und praktiziere Plastikverzicht. Als erstes geht es in die Supermärkte zum Einkaufen. Meine Erfahrungen und Ideen beschreibe ich in meinem nächsten Beitrag.

Noch ein Tipp:

Macht es wie ich. Bindet alle Familienmitglieder mit ein – eine wundervolle, gewinnbringende Challenge für alle. Gerade beim Einkaufen sprießen die Ideen der kleinen und großen Begleiter.  Und Ideenreichtum kennt keine Grenzen.

Just do it!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.