Garmin Vivoactive 3 Erfahrungsbericht

Garmin Vivoactive 3 – Der tägliche Kampf gegen die Uhr

Vorgeschichte

Die ersten Anfänge

Mein Start in die Sportuhrwelt
Polar RS300X

Als laufbegeisterter Technikfreak hatte ich schon früh die Bekanntschaft mit Sportuhren gemacht. Weit vor dem Boom der heutigen Fitnessuhren waren diese speziell auf Läufer zugeschnitten. Meine allererste Polar Laufuhr in 2009 war eine Polar RS300X Run in Schwarz. Funktionelles Display, robustes Armband, Brustgurt für die Pulsmessung – und der grobe Klotz an meinem Laufschuh. Ein Sensor, der damals meine Schritte aufgrund der Bewegung zählte und dadurch die zurückgelegte Strecke ermittelte.

Globig und schwer – Schrittsensor der Polar RS300X

Ein großer Fortschritt war dann das Folgemodell, eine Polar RC3. Dank GPS-Erfassung ein Meilenstein in meiner Laufkarriere. Zwar konnte ich damit keine großen Rekorde und Siege feiern. Aber diese machten solche wenigstens theoretisch möglich. Noch immer mit Brustgurt, aber mit moderner Satellitenerfassung auf der Strecke. Und diese motivierte. Plötzlich konnte man sehen, wo man langgelaufen war. Jede Wendung, jede Steigung und das Ganze sogar mit detaillierter Leistungsmessung am eigenen Körper.

Die erste GPS-geführte Sportuhr – Polar RC3 GPS

Von Smart-Funktionen war dieses Modell dennoch meilenweit entfernt. Als klassische Armbanduhr konnte diese ebenso wenig eingesetzt werden.

Einstieg in die Welt der Smartwatches

Dann kamen die Smartwatches auf den Markt. Kleinere Gehäuse mit deutlich mehr funktionellem Inhalt. Nun konnte man diese mit dem Smartphone koppeln. Und Nachrichten auf der Uhr anzeigen lassen. Handgelenkmessung statt Brustgurt – ein Meilenstein. Musik passte auch noch drauf und man konnte sogar seinen Schlaf messen und auswerten lassen. Und jede einzelne verbrauchte Kalorie sehen. Das reizte auch mich und schnell war mein Einstiegsmodell gefunden.

Die erste Smartwatch: Samsung Gear Fit2

Den Einstieg in die Welt der Smartwatches begründete im Jahr 2017 eine Samsung Gear Fit2. Gute Bewertungen und ein vernünftiger Preis von knapp über 120 Euro bewogen mich damals zu dieser Uhr.

Wie sich bald herausstellte, war die Gear Fit2 für den leidenschaftlicher Läufer und Radler die suboptimale Lösung. Ein winziges Display und eine knifflige Handhabung. Dazu Ungenauigkeiten in der Messung und – besonders gravierend – der Akku hielt bestenfalls einen Tag. Und das ohne eingeschaltete GPS-Erfassung! An längere GPS-Touren ab zwei Stunden Dauer war nicht zu denken. Dafür reichte die Akkuleistung schlichtweg nicht.

Mitte 2018 war ich es dann leid und warf die Uhr gefrustet in die Ecke. Etwas Neues musste her. Etwas, das die Mängel der alten mehr als kompensierte. Also mit dem Fokus auf Akkulaufzeit, Display und Genauigkeit bei der Messung.

Warum die Garmin Vivoactive 3?

Nach langer Recherche, unzähligen Tests und vielen, vielen Abwägungen habe ich mich schließlich für die Garmin Vivoactive 3 entschieden. Just im Moment meiner Entscheidung wurde sie bei MediMax zum Sonderpreis von knapp über 200 Euro angeboten. Das sollte ein Zeichen sein. Also besorgte ich mir diese in der Farbe „Gunpowder“. Das ist so eine Art Anthrazit.

Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, welch gravierenden Einschnitt diese Anschaffung in mein alltägliches Leben brachte. Aber dazu später mehr.

Beginnen wir mit den technischen Details der Garmin Vivoactive 3.

Bewertung

Haptik

Garmin Vivoactive 3 – stilvoll verpackt

Schon die Verpackung der Uhr machte einen sehr positiven Eindruck. Fester Karton, ansprechende Optik und eine liebevoll eingepackte Smartwatch.

Auch nach dem Auspacken wirktes sie noch sehr wertig, lag gut in der Hand und war selbst für schmale Handgelenke gut geeignet. Kein klobiger Klotz, der nur auf Akkulaufzeit getrimmt war, sondern eine rundum gelungene, handliche Uhr.

Installation

Über die Installation möchte ich in diesem Beitrag nicht viele Worte verlieren. Diese ist hinreichend online beschrieben und es gibt im Netz unzählige Anleitungen in Wort und Bild. Wichtig ist, dass diese extern ausschließlich mit der App „Garmin Connect“ kommuniziert. Über diese erfolgen auch alle Einstellungen bzw. man kann damit sämtliche Auswertungen ablesen.     

Kommen wir zur Handhabung und den Funktionen, wie ich sie im täglichen Ablauf über die letzten 1 ½ Jahre hinweg kennengelernt habe. Ich bewerte diese nach den beiden Themen „Funktionen“ und „Erfahrungen“. Also allgemeines über die Uhr sowie meine Erkenntnisse während der täglichen Anwendung.

Grundfunktionen:

Display

Originaldisplay nach 18 Monaten Nutzung

Unter dieser Rubrik bedeutet dies für mich die Anzeige der Uhrzeit, des Datums, der Akkulaufzeit und der Schritte. Also der Dinge, die einem beim schnellen Blick darauf interessieren.

Da das Display die Anzeigen farblich differenziert, sind diese sehr gut und klar erkennbar. Das hängt natürlich auch von dem installierten (digitalen) Zifferblatt der Uhr ab. Das Standard-Display von Garmin (siehe Foto) stellte für mich anfangs einen guten Kompromiss zwischen Optik und Information dar. Zumal dieses im Hinblick auf die Akkulaufzeit eine vernünftige Wahl ist.

Von der Auflösung her ist das Display keine Offenbarung. Es ist eher grob und funktionell. Hochaufgelöste Bilder lassen sich darüber nicht darstellen. Aber das ist bei dieser auf Sportler und Aktivität fokussierten GPS-Smartwatch auch nicht primäres Ziel. Zumal gerade dies die sehr guten Akkulaufzeiten bewirkt.

Akkuleistung

In den ersten Wochen Nutzung war ich von der Akkuleistung etwas enttäuscht. Die angekündigten 7 Tage Ausdauer schienen mir unerreichbar. Man muss dazu wissen, dass diese von vielen Faktoren beeinflusst wird. Also den installierten Widgets, der Wahl des Displays und dessen Beleuchtung, den Hintergrundmessungen, der Verbindung ins WLAN bzw. Bluetooth und natürlich der Nutzung von GPS. Je mehr Funktionen, desto weniger Ausdauer. Klingt einfach und logisch.

Also habe ich hier ein wenig experimentiert. Und das sollte jeder Nutzer machen. Nur die für ihn relevanten und wichtigen Funktionen aktivieren. Die Beleuchtung so wählen, dass sie den täglichen Gewohnheiten entspricht. Also den Helligkeitsgrad anpassen. Oder festlegen, wann die Hintergrundbeleuchtung aktiviert wird. Das ist gerade in der Nacht sinnvoll. Das Display muss nicht bei jeder Bewegung leuchten und Energie ziehen.

Und in der Tat ließ sich nach ein paar Optimierungen die Uhr bis zu 7 Tage mit einer Aufladung nutzen – ohne GPS und mit Standarddisplay von Garmin. Im Alltag pendelte sich das dann auf ca. 5 Tage ein.

Mittlerweile nutze ich ein anderes Ziffernblatt auf meiner Garmin. Das Alte war dann doch irgendwann zu hausbacken und hatte überflüssige Funktionen, die ich nicht benötigte. Und Datum und Akkustand sollten schon angezeigt werden.

Funktioneller und schöner – mein neues Display

Mit dem neuen Display reduzierte sich zwar die Laufleistung von 5 auf 3 Tage. Aber das ist es mir aufgrund des gewonnenen Komforts wert. Zumal die Aufladezeit des Geräts wirklich kurz ist. Ich habe mal gemessen: 10 Minuten am Strom und 15 bis 20 % sind aufgeladen. Das ist TOP.

Armband und Gehäuse

Das Armband und das Gehäuse der Uhr sind zwar „nur“ aus Kunststoff, aber sehr funktionell und robust. Die Uhr geht mit mir jeden Tag durch dick und dünn. Ob Schwimmbad, Arbeit oder Radtour – sie ist immer dabei. Und muss wirklich viel ertragen. Außer ein paar Abschürfungen am Metallring und kleinen Dreckeinlagerungen an den Sensoren sieht man nach 18 Monaten keine Gebrauchsspuren.

Das Gehäuse ist wasserdicht. Ich habe die Uhr beim Schwimmen getragen, sie ist mit mir duschen und saunieren gegangen und wir sind gemeinsam durch die schlimmsten Unwetter gewandert. Niemals hat mich die Uhr im Stich gelassen. Kein Wassereintritt, keine Aussetzer.

Das Armband hat im Laufe der Zeit etwas mehr gelitten. Es fanden sich Scheuerspuren auf der Bandinnenseite und vor einem halben Jahr riss eines der Gummibänder, die die Schlaufe des Armbands gegen das Abstehen sichern. Das dann herumhängende, überschüssige Ende störte dann doch und ich entschied mich, das Band gegen ein neues auszutauschen. Der Austausch war Dank Druckstiftbefestigung am Gehäuse total einfach. Und auch mit dem neuen für 7,50 € bei Amazon erstandenen fühle ich mich mit der Uhr rundum wohl.

Smartfunktionen

Benachrichtigungen (Smart Notifications)

Smartphone-Nutzer kennen das nur zu genau: Das Telefon klingelt und ich höre es nicht. Das ist mit der Garmin Vivoactive 3 Geschichte. Denn nach der Verbindung und Aktivierung der Smartfunktionen über die App vibriert die Watch bei jedem Anruf mit. Incl. Anzeige des Anrufers.

WhatsApp-Nachrichten werden angekündigt und man kann sie an der Uhr lesen. Desgleichen gilt für Emails und SMS-Nachrichten.

Zu Beginn muss man im Menüpunkt „Smart Notifications“ die Apps auf dem Smartphone, die Notifications senden sollen, kurz aktivieren. Den Rest erledigt dann die Watch. Das hat auch zumeist prima funktioniert. Einmal nach einem Update musste die Funktion neu aktiviert werden. Aber ansonsten Daumen hoch. Ich mag diese Funktion nie wieder missen.

Music Player

Leider hat meine Vivoactive 3 keinen eingebauten Speicher zur Wiedergabe von Musik. Man kann zwar das Smartphone bei der Musikwiedergabe steuern. Das beschränkt sich aber nur auf das Starten der Wiedergabe, das nächste Lied spielen und die Lautstärke anpassen. Funktioniert alles einwandfrei. Allerdings nutze ich dies nicht. Zu fummelig ist die Steuerung über das Uhrendisplay.

Das nächste Mal gibt es definitiv eine Garmin Smartwatch mit eingebautem Speicher für Musik.

Fitness Community

Insights – Schrittvergleich

Eine Funktion der „Connect“-App. Hier kann man über die sozialen Medien Freunde an seinen Erfolgen teilhaben lassen. Oder auch beliebigen Gruppen beitreten. Und sich nebenbei stalken (tracken) lassen. Also mittels LiveTrack und GPS seine Freunde oder andere an den eigenen Wegen teilhaben lassen. Sicherlich sinnvoll, um besorgte Mütter bei längeren Touren zu beruhigen. Aber wohl für die meisten keine empfehlenswerte Option.

Was noch interessant und für viele motivierend ist, ist die Option „Insights“ in der Connect-App. Jeder sieht gerne, wie er sich in der Gemeinschaft schlägt. Und das besonders, wenn er sich gegenüber anderen hervorhebt. In diesem Fall kann man sehen, wie lange man im Vergleich zur Community schläft, wie viele Schritte gegangen und wie viele Stockwerke überwunden wurden.

Garmin Pay

Bargeldlos zahlen – mittels Garmin Pay möglich

Wer nur mit der Vivoactive 3 unterwegs ist und zwischendurch einkaufen muss, kann – unter bestimmten Voraussetzungen – diese zur Begleichung des Kassenbetrags nutzen. Die Hausbank muss mitspielen und dann funktioniert es auch. So die Theorie. Und mittlerweile sind schon viele Banken am Start und die Abwicklung läuft nach Integrierung der Kreditkarte ganz einfach.

Allerdings habe ich diese Funktion nie eingerichtet bzw. benutzt. Bargeld, Smartphone und Karten waren immer ausreichend.

Sportfunktionen

Laufen

Vor dem Start: Auswahl der Sportart

Die Paradedisziplin der Garmin Vivoactive 3. Man wählt im Menü „Laufen“ aus und wartet kurz, bis alle Satelliten gefunden wurden. Das geht immer super fix und nach kurzem Vibrieren geht es auch schon los auf die Strecke.

Die Uhr zeichnet wirklich alles auf. Geschwindigkeit, Streckenführung, Puls, Höhenmeter, verbrauchte Kalorien, Zeit, und, und, und. Jeder zurückgelegte Kilometer und die dabei überwundenen Höhenmeter werden mittels Vibration angezeigt und honoriert.

Warten auf das GPS-Signal – nur ein paar Minuten

Später mit dem Smartphone abgeglichen, kann man die gelaufene Strecke minutiös nachrecherchieren. Es gibt nichts, was man an seiner gelaufenen Tour nicht im Nachhinein herausfinden kann. Und das Schöne daran: trotz eingeschaltetem GPS hält sich der Akkuverbrauch in Grenzen. 1 ½ Stunden Laufen verbrauchen ca. 15 % Akkuleistung. Hochgerechnet sind Touren von 10 Stunden und mehr möglich. Das sind wirklich gute Werte.

Sogar die Sportausrüstung lässt sich einzelnen Touren zuweisen. Nach Eingabe der genutzten Laufschuhe in das System lassen sich diese zuordnen. Wer dazu noch die Kapazität eingetragen hat, sieht bei lückenloser Zuordnung die mit diesen hinterlegten Gesamtkilometer. Und wie lange man sie theoretisch noch nutzen kann.

Radfahren

Ausrüstungsgegenstand Fahrrad

Auch in dieser Disziplin habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Wie beim Laufen wird nach dem Start alles aufgezeichnet, was das Herz begehrt. Ebenfalls zuverlässig und lückenlos.

Analog zur Laufausrüstung lassen sich auch hier Fahrräder anlegen, die dann den einzelnen Fahrten zugeordnet werden. Die mit jedem Rad hinterlegten Gesamtstrecken lassen sich so jederzeit abrufen.

Ein kleines Manko in der Handhabung: Die laufende Aufzeichnung lässt sich mit einem kurzen Knopfdruck an der Uhr anhalten. Ein weiterer startet diese wieder. Das ist schon mal gut. Wenn man aber während der Unterbrechung unbedarft auf das Display kommt, kommt es vor, dass man die komplette Aufzeichnung unbeabsichtigt beendet. Und so die Werte mancher erfolgversprechenden Zeitfahrt zerstört. Auch lässt sich die Tour dann nicht mehr in Gänze in der App anschauen bzw. bei Komoot hochladen.   

Wandern

Wie auch beim Laufen kann man die Wandertouren mitschneiden. Bei Pausen stoppt und startet man die Aufzeichnung mit einem Tastendruck. So kann jeder nach einer langen, anstrengenden Wanderung sehen, wo er war, wie viele Höhenmeter bezwungen wurden und wie groß das Schnitzel nach der Tour anhand der verbrannten Kalorien sein darf.

Sonstige Aktivitäten

Es gibt noch weitere unzählige Aktivitäten, die ich mit einem Tastendruck an der Uhr starten kann. So auch das aktive Training im Fitnessstudio, Kardiotraining und sogar Golf. Allerdings habe ich diese nicht ausprobiert. Es wird für den vielfältigen Sportliebhaber einiges geboten.

Zielsetzungen

Schrittziel

Auswertung der täglichen Schritte

Für viele Menschen ist motivierend, wenn sie sich jeden Tag eine gewisse Zahl an Schritten vornehmen. Diese wollen dann auch jeden Tag erreicht werden. Notfalls geht man abends noch eine kleine Runde durch den Park.

Diese Schrittanzahl lässt sich bequem per Connect-App hinterlegen. Man sieht mit einem Blick auf die Uhr, wie weit das Ziel noch entfernt ist. Bei mir steht immer die 8.000 als großes Tagesziel. Ein Wert, der meist im normalen Tagesablauf gut erreichbar ist.

Die Garmin erkennt Schritte anhand bestimmter Bewegungsmuster. Allerdings aufgrund der Vielfältigkeit der Muster nicht immer zuverlässig. So kommen im Gym beim Bauchtraining auf der Matte mal so locker 500 Schritte auf die Uhr, ohne sich von der Matte wegbewegt zu haben. Auch das Zusammenlegen von Wäsche scheint so lobenswert zu sein, dass es dafür Schritte gibt. Ich sehe das aber nicht als Manko der Vivoactive 3. Es gibt einfach zu viele Bewegungen, die schrittähnlich zu bewerten sind.

Intensitätsminuten

Ansporn” Intensitätsminuten

Wie auch die Anzahl der täglich zu erreichenden Schritten ist die Anzahl der Minuten, die man in einer Woche sportlich verbringen möchte, programmierbar. Bei mir stehen wöchentlich 200 Minuten an. Die Aufrechnung erfolgt mittels Intensitätsgraden. Mäßige Belastung (nach Pulsfrequenz) wird einfach, hohe Belastung doppelt gezählt. Es reicht folglich – überspitzt ausgedrückt – ein kleiner Halbmarathon, um das Wochenziel in einem Rutsch zu erreichen.

Allerdings ist dieser Wert nicht wirklich repräsentativ. Es existiert zwar eine automatische Aktivitätenerkennung. Doch diese greift nur sehr unzuverlässig. Zum Beispiel auf dem Laufband erst ab der 11. Minute. Oder beim intensiven HIT-Training mit Pulsspitzen weit über 150 Schlägen/Minute gar nicht.

Hier gibt es durchaus noch Verbesserungspotenzial. Wer dennoch diesen Wert wöchentlich als sein Ziel ansieht, dem dient diese Funktion perfekt als Motivationsgrundlage.

Auswertungen

App „Connect“

Startbildschirm “Connect”-App

Hierüber habe ich auszugsweise schon in den vorherigen Kapiteln berichtet. Dieses Programm ist wirklich umfangreich und sehr informativ. Bewältigte Strecken lassen sich auf Landkarten anschauen, gemachte Touren vergleichen und die körperlichen Leistungen jederzeit aufrufen.

Der Abgleich mit der Uhr funktionierte in der Regel per Bluetooth reibungslos und fix. Wer sich etwas tiefer in diese App hineinarbeitet, taucht auch in den enormen Funktionsumfang dieser ein. Viele, viele Auswertungen in allen Bereichen gibt es. Dazu lassen sich auch Trainingsvorschläge und Auszeichnungen für das Vollbrachte finden.

Datenschutz

Natürlich ist hier der Datenschutz auch ein Thema. Denn alles Aufgezeichnete wird mit dem Übertrag in die App direkt im Netz gespeichert. Ob hier irgendwer unbekanntes seine Vorteile ziehen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Allerdings zeigt der Leistungsvergleich in der Community, dass diese Werte durchaus für Vergleichsberechnungen herangezogen werden.

Theoretisch verfolgt einen diese App auf Schritt und Tritt. Nichts ist mehr vor den Datenkraken sicher. Wer dies vermeiden will, der ist mit einer Smartwatch generell in keinem Fall gut beraten.

Kombination mit Komoot

Auswertung nach einem Lauf

Jeder Outdoor-Aktive kennt sie – die Komoot-App. Hier kann man Strecken für geplante Touren – sei es Laufen, Wandern, Radfahren – suchen und sich auf diesen GPS-geleitet hindurchkämpfen. Diese werden in der App bei der Auswahl mit Ort und Bild beschrieben und für nahezu jede Region der Welt angeboten.

Und diese App ist sogar mit der Garmin Vivoactive 3 kompatibel. Man kann sich diese so einrichten, dass die absolvierten Strecken direkt nach Online-Anbindung in Komoot hochgeladen werden. Somit kann man nach einer anstrengenden Radtour die überwundene Strecke direkt am PC/Tablet unter „Komoot.de“ anschauen und bearbeiten. Noch schnell ein paar Bilder hinzugefügt und einen schönen Text verfasst und schon kann die ganze Community daran teilhaben.

Schlaf

Auswertung Schlaf der letzten Nacht

Mittels Bewegungs- und Herzfrequenzsensor in der Uhr ist unser Schlafverhalten nachvollziehbar. Wer die Uhr in der Nacht trägt, kann am nächsten Morgen sehen, wie gut und lange er geschlafen hat. Natürlich lässt sich über die Sinnhaftigkeit streiten. Aber ist konnte feststellen, dass sich am Morgen danach durchaus das Gefühl der Nacht anhand der präsentierten Zahlen nachvollziehen lässt.

Die einzelnen Schlafphasen sind in der Garmin-App gut erkennbar. Ob Tief-, Leicht-, REM-Schlaf oder Wachzeiten. Alles wird aufgezeichnet und ist abrufbar. Regelmäßigkeiten lassen sich vergleichen und anhand dieser Grafiken optimieren.

Im Vergleich zur Vorgänger-Smartwatch (Samsung Gear Fit2) stellt die Garmin Vivoactive die einzelnen Schlafstadien anders dar. So war in erstgenannter die Tiefschlafphase deutlich ausgeprägter als bei der Garmin. Hier sieht man, dass zwischen den Geräten durchaus Spielraum in der Auslegung besteht.

Mir persönlich hat diese Funktion geholfen, mit Ritualen, Zeiten und anderen schlafbeeinflussenden Faktoren zu experimentieren. Und ja, dies hat dann letztlich zu einem besseren und erholsameren Schlaf geführt.

Herzfrequenz

Herzfrequenz im Laufe des Tages

Man kann sowohl auf der Uhr (die letzten 4 Stunden) als auch in der Connect-App (den ganzen Tag) seine Herzfrequenz protokolliert anzeigen lassen. Die Höhen und Tiefen (Ruhefrequenz) werden so veranschaulicht und man sieht das Spektrum des Tages. Anhand farblicher Darstellung in einer Herzfrequenzkurve sieht man dann, wann man wie intensiv unterwegs war.

Eine Funktion, die mir persönlich nichts gebracht hat. Es ist schön zu sehen, was der Tag an Belastungen gebracht hat. Aber so wirkliche Konsequenzen und Erkenntnisse habe ich daraus nicht ziehen können.

Kalorien

Gesplitteter Kalorienverbrauch am Tag

Der Grundumsatz, also die Kalorien, die ohne Sport und Co. täglich verbrannt werden, wurde anhand der eingetragenen Werte „Größe“ und „Gewicht“ ermittelt. Dies ist der Wert, der zeigt, was ich verbrauche, ohne etwas Zusätzliches getan zu haben.

Jede Tätigkeit, jeder Schritt, jede Minute Sport verbrennen zusätzliche Kalorien. Das sind bei Garmin die „aktiven“ Kalorien. Gemeinsam mit dem Grundumsatz ergeben diese den Umsatz des aufgezeichneten Tages.

Und wer – grob vereinfacht – mehr Kalorien verbrennt, als er aufnimmt, der nimmt ab. Das ist in unserer heutigen Zeit ja total „in“. Alle sprechen von Übergewicht und jeder möchte eine negative Energiebilanz haben, also Gewicht abnehmen.

Und mal ehrlich. Es ist doch immer wieder schön zu sehen, wenn der gerade absolvierte Lauf oder die durchgeführte Radtour den „aktiven“ Umsatz und damit in Konsequenz den Gesamtumsatz signifikant steigern konnte. Da ist die Motivation groß, einfach mal zwischendurch die Schuhe anzuziehen und eine Stunde durch den Wald zu wandern. Es winken immerhin 400 gesund verdiente Kilokalorien. Frische Luft inklusive. Da fühlt man sich gleich viel besser.

Wie auch bei vielen anderen Messungen ergibt sich hier eine gewisses Ungenauigkeit. Denn die Werte sind nur theoretisch und basieren auf wenigen Grundwerten. Es gibt in der Praxis noch einige weitere Faktoren, die in die Berechnung der Sportwatch nicht einfließen und damit eine gewisse Streuung bewirken.

Dennoch schmeckt der Braten nach einer anstrengenden Tour deutlich besser als ohne. Andersherum meldet sich das Gewissen, wenn dann der Tag nicht so verlaufen ist, wie er sollte.

Stress

Die Stressübersicht – schön, aber auch schön unübersichtlich

Laut Handbuch wird hier die Tagesfrequenzvariabilität gemessen und daraus der Stresslevel ermittelt. Dieser wird in 4 Stufen eingeteilt (Pause, Nied., Med. und Hoch). Wer schläft, liegt auf dem Level „Ruhe“. Bewegung und Arbeit bedeuten Stress. Soweit die Theorie. In der Praxis war dieser Wert für mich nicht beachtenswert, da hieraus kein wirklicher Nutzen entstand.

Diese Anzeige kann man – wie auch jede Anzeige in der App – ganz einfach deaktivieren und dann ist es auch gut.

Stockwerke

Eine Schwachstelle dieser Smartwatch. In der Theorie ist die Bewältigung eines Stockwerkes der Aufstieg um 3 Höhenmeter. Das sieht man auch, wenn man in der Natur über Höhe und Tiefen Laufen geht. Da kommen das schnell ein paar Stockwerke hinzu. Beim Bergwandern einige viele.

Allerdings wurde die Anzeige der gegangenen Stockwerke im Laufe vergangenen 18 Monate immer ungenauer und funktionierte zwischendurch überhaupt nicht. Das geschah meist nach Einspielung eines neuen Softwareupdates. Aktuell zeigt mir meine Uhr zu viele Stockwerke an. Nach einer Wanderung mit ca. 300 Höhenmetern standen dann plötzlich 248 Stockwerke zu Buche. Das passt ja mal so überhaupt nicht.

Man sollte sich überlegen, wozu die Anzeige dieser nötig ist. Wem dieser Punkt gänzlich egal ist, der kann ihn natürlich einfach deaktivieren.

VO2max

VO2max – der “wahre” Fitnesswert

Die letzte Auswertung, die ich hier kurz vorstellen möchte, ist die des VO2max. Das ist ein Wert, bei dem sportlich Aktive glänzen können. Unter dem Menüpunkt „Gesundheit und Leistung“ der App findet man ganz unten die Auswahl „VO2max“

Dies ist ein Wert, der sich aufgrund der gespeicherten Trainingsdaten und der Herzfrequenz errechnet. Je höher er liegt, desto besser ist die kardiovaskuläre Fitness. Gemeint ist die Frequenz, mit der unser Herz Blut und Sauerstoff durch den Körper pumpt. Und das wird mit unserem eingegebenen Alter in Relation gesetzt. Beeinflussbar ist dieser Wert durch Ausdauersport.

Der erreichte Wert wird in der Connect App schön farblich präsentiert. Couchpotatos liegen eher im roten bzw. orangen Bereich. Sportlich aktive im blauen bzw. lila Bereich. Bessere Fitness ergibt also schönere Farben. Was mich immer besonders motiviert, ist ein Satz am Ende dieser Auswertung: „Ihr Sportalter liegt bei XXX Jahren. Damit gehören Sie zu den oberen XX % der Altes- und Geschlechtsgruppen.“. Und der liegt so ziemlich bei jedem deutlich unter dem realen Alter. Bauchpinseln par excellence.  

Der Grundeffekt der Sportuhr

Ich denke, jeder, der diese Fitness-Watch trägt, wird alleine dadurch, dass er sich damit beschäftigt, eher der sportlich aktiven Gruppe zugeordnet sein. Jemand, der mit Sport nichts am Hut hat, wird sich solch eine Uhr nicht zulegen. Alleine aus diesem Grund werden die angezeigten Werte über dem eines durchschnittlichen Menschen liegen. Also wird sich fast jeder von Beginn an über die für ihn relevanten und angezeigten Werte freuen. Und wer (noch) nicht, der hat jetzt einen Ansporn, dass es bald so sein wird.

Es gibt noch unzählige weitere Auswertungen in der Kombination der Garmin Vivoactive 3 mit der Connect-App. Probiert diese einfach mal aus. Und bildet eure eigene Meinung zur Sinnhaftigkeit dieser.

Erfahrungen

Das tägliche Schrittziel

Man kann sich gar nicht vorstellen, wie so ein kleines Teil am Handgelenk das Verhalten eines Menschen innerhalb kurzer Zeit verändert. Denn in den mittlerweile 1 ½ Jahren intensiver Nutzung haben sich die Garmin Vivoactive 3 und sein Besitzer gefunden. Sie fristen ein schönes und aktives Miteinander. Aber nicht nur…

GPS macht’s möglich – Auswertung in Perfektion

Denn es gibt auch den tagtäglichen Kampf gegen die Uhr. Das eingestellte Schrittziel von 8.000 will erreicht werden. Es klappt mal so und mal so. Ruhigerer Bürotage ohne anschließenden Gang ins Studio oder die Laufrunde am Abend lassen das magische Ziel „8.000“ durchaus verfehlen. Andere Tage nehmen dieses Ziel „im Vorbeigehen“ mit.

Wie oft habe ich mich dann dabei ertappt, entgegen meiner Lust und Laune abends eben doch noch ein paar Schritte im Freien zu gehen. Einfach nur, um das Schrittziel zu erreichen. Und kam dann entspannter und ausgeglichener zurück. Also ein durchaus positiver Effekt meines kleinen Gefährten.

Man muss aber auch mit der Erkenntnis leben, dass eine Radtour – obwohl sicherlich sehr gesund und anstrengend – nicht zum Erreichen des Ziels beiträgt. Es stellt sich danach dann oft die Frage: das Schrittziel noch durch zusätzliche Bewegung erreichen oder es mal gut sein zu lassen. Einfach nur die Füße hochzulegen. Das ist halt dem System geschuldet. Radfahren hat keine Schritte.

Verlustängste

Wer kennt das nicht. Man geht aus dem Haus und hat das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Früher waren es Schlüssel und Geldbeutel. Dann gesellte sich noch das Handy bzw. Smartphone dazu.

Bei mir sind es mittlerweile vier Dinge: Neben den oben genannten eine gut mit Energie gefüllte Vivoactive 3. Denn man möchte am Abend stolz sein. Stolz auf die gelaufenen Schritte, die erreichte Herzfrequenz und die sich angesammelten Intensitätsminuten. Verknüpft mit der Kalorienübersicht und dem VO2max-Wert.

Geschwindigkeit und Herzfrequenz – immer höher und weiter

Mittlerweile geht es ohne Smartwatch nicht mehr ins Bett. Schlaftracking ist angesagt. Morgens nachschauen, wie nachts der Schlaf war. Bestätigung suchen.

Oder man mag sich gar nicht folgendes vorstellen: du bist am Aufbrechen zur Radtour oder einem kleinen Lauf um die Häuser und der Akku der Garmin ist leer…  Oh Schreck. Keine Aufzeichnung. Keine Auswertung. Wie soll ich da jemals das Schrittziel erreichen?

Ihr lest, eine Smartwatch hat auch ihre Kehrseite. Das ständige Getriebenwerden. Höher, besser, weiter. In letzter Zeit versuche ich immer mal, mediale Auszeiten einzurichten. Das sind die Tage (meist am Wochenende) ohne Smartphone und Internet. Große Momente der Herausforderung, die aber bewältigbar sind.

Es wäre mal interessant, hier die Abstinenz von der Smartwatch hinzuzufügen. Das ist dann eine wirklich große Challenge.

Fazit

Die Garmin Vivoactive 3 ist eine wirklich gute und sinnvolle Anschaffung. Für verhältnismäßig günstiges Geld wird viel geboten.

Hardskills

Eine robuste und langlebige Sportuhr, die auch bei etwas härterer Gangart nicht gleich dauerhafte Schäden davonträgt. Notfalls lässt sich das ständig der Belastung ausgesetzte Armband für ein paar Euro (unter 10 €) in vielen Farben nachkaufen. Und dank Einklicktechnik schnell und zuverlässig montieren.

Auswertung in Vollendung – alles ist erfasst

Mich erfreut, dass die Vivoactive 3 sogar für schmalere Handgelenke gut geeignet ist. Die im Vergleich zu anderen Sportuhren zierliche Garmin schmückt auch schmale Handgelenke perfekt.

Mein erstes Ziel, nicht mehr täglich den Akku einer Smartwatch aufzuladen, erfüllt diese mit Bravour. 3 Tage sind die Regel. Mit ein wenig Disziplin und verbrauchsoptimierter Einstellung sind durchaus 5 und mehr Tage drin. Darüber hinaus ist die Aufladezeit sehr kurz. Innerhalb einer Stunde ist die Uhr fast komplett vollgeladen.

Softskills

Die Sportfunktionen (speziell fürs Laufen und Radfahren) sind aus meiner Sicht perfekt umgesetzt. Das GPS ist schnell gefunden, die Messungen zuverlässig und die Nachbereitung am Smartphone macht riesig Spaß. Und motiviert für weitere Ziele.

Auch die Anzeige von Smart Notifications ist sehr gut gelungen. Zwar ist der Bildschirm nicht für die Anzeige detailreicher Bilder geeignet, da es an der nötigen Auflösung und Farbtiefe fehlt. Eingehende Textmitteilungen lassen sich hingegen gut und klar ablesen. Und verpasste Anrufe sind dank Vibration am Handgelenk Geschichte geworden. Was fehlt, ist die auffällige Kenntlichmachung bei Akkutiefstand. Denn in diesem Fall vibriert nichts.

Es gibt in Kombination mit der sehr guten Connect-App kaum etwas, was man nicht auswerten kann. Allerdings nur unter der Voraussetzung ständiger Datenmitschnitte. Wer seinen persönlichen digitalen Fingerabdruck niedrig halten möchte, ist aber generell mit einer Smartwatch schlecht beraten.

Dennoch hängt der besten Smartwatch immer ein nicht zu widerlegender Fluch an. Denn neben den o.g. positiven Aspekten stellt sich immer die Frage der Sinnhaftigkeit. Stichwort Verlustgefühl und Getriebenwerden.

Aus meiner Sicht gibt es aber kaum eine Uhr in dieser Preisklasse, die meine Wünsche und Ansprüche so praktisch und zuverlässig verkörpert wie die Garmin Vivoactive 3.

Ich würde sie mir immer wieder kaufen. Dann aber mit Musikspeicher als „Garmin Vivoactive 3 Music“.

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