Ein ganz besonderes Erlebnis – Alexa Feser in concert

28.04.2019

Vorgeschichte

Musik ist Geschmackssache. Und dieser Geschmack entspricht nicht immer dem der Liebsten.

So geht es leider öfters auch mir. Vor einigen Jahren fiel mir eine CD von Alexa Feser in die Hände und seitdem geht mir ihre Musik nicht mehr aus dem Kopf. Ihre tollen Texte, die super Stimme und die mitreißenden Rhythmen haben mich in ihren Bann gezogen. Als ich erfuhr, dass sie anlässlich ihres neuen Albums „A!“ am 28.04.2019 im Zoom Frankfurt eine Vorstellung gibt, war ich sofort Feuer und Flamme. Hier wollte ich unbedingt hin.

Aber Konzerte sind laut allgemeiner Meinung doch schöner, wenn man mit mehreren Leuten dort hingeht. Wenn man jemanden findet. Und das war in meinem Fall nicht von Erfolg gekrönt. Überall Absagen. Der Freundes-/Bekannten- und Kollegenkreis hatte keine Zeit oder Lust. Meine Tochter, mit der ich schon das ein oder andere Konzert besuchte, wiegelt sofort ab mit den Worten „Du Papi, das ist eher nichts für mich“. Der Sohnemann, selbst mit einem eigenen, für ältere Väter eher gewöhnungsbedürftigen, Geschmack gesegnet, ist entsprechend auch keine Option. Also Augen zu und durch: Ich gehe alleine auf Konzert.

I just do it!

Vorbereitung

Frankfurt liegt von uns ca. 80 Kilometer entfernt, also durchaus erreichbar. Die Örtlichkeit „Zoom“ kannte ich bis dato nicht, war mir aber bei Bestellung der Karten egal – wird schon passen. Der Preis von insgesamt knapp 40 Euro verglichen mit anderen Künstlern ein Schnäppchen.

Die Eintrittskarte war dann auch schnell besorgt. Eventim hatte am 08.01.2019 noch welche verfügbar und ein paar Tage später liegt „meine“ Karte im Briefkasten. Mit strahlenden Augen packe ich sie aus. Von diesem Moment an schürte ich meine Vorfreude. Die „alten“ Lieder von Alexa Feser laufen sowohl zu Hause als auch im Auto rauf und runter und die nach und nach von der neuen CD veröffentlichten Songs reihen sich dort nahtlos ein. Textsicherheit ist Trumpf.

Alexa Feser Konzertkarte Frankfurt Zoom

Am 28.04.2019 um 19 Uhr startet das Konzert in der Frankfurter Innenstadt und meine Planung sieht die Abfahrt für 17 Uhr vor, um die knapp 100 Kilometer dorthin zu schaffen. Es ist ein Sonntag, sodass der Zeitrahmen durchaus realistisch scheint. Mit jedem Tag, den das Konzert näher rückt, wächst die Spannung. Die Karten hängen schon seit Tagen am Schlüsselbrett am Eingang und die Route ist im Handy eingegeben. Es könnte jederzeit losgehen.

Der Tag X

Anfahrt

Mein siebter Sinn sagte mir, etwas früher als anvisiert loszufahren. Und in der Tat war dies durchaus sinnvoll. Wir hatten Weißensonntag, die Sonne schien und halb Frankfurt war auf den Beinen. Das Durchkommen war zäh und die Enttäuschung groß, als ich feststellen musste, dass das ausgewählte Parkhaus komplett belegt war. Extrarunden standen folglich an, die dann auch meine „Reservezeit“ voll in Beschlag nahmen. Letztlich war ich dann pünktlich zum Einlasszeitpunkt am richtigen Ort. Dort war die Schlange Wartender schon recht lange. Geduldig warteten alle, dass endlich der Einlass gewährt wird. 18:15 Uhr setzte sich endlich die Schlange in Bewegung.

Menschenschlange vor Zoom Frankfurt

Lokalität

Der erste Eindruck vor dem Einlass war ein wenig enttäuschend. Die Örtlichkeit war etwas unscheinbar gelegen und schien sehr klein – zumindest deutete das Eingangsschild darauf hin. Nachdem jeder Besucher kurz gecheckt wurde, ging es eine Treppe zum Konzertraum hinauf. Hier wirkte alles recht düster und abgenutzt. Außer ein paar Sitzhockern an den Seiten gab es nur Stehplätze. Ich wollte natürlich vorne dabei sein, also suchte ich mir einen Platz im „hinteren“ Bereich der Tanzfläche direkt vor der auftretenden Band. Quasi im Zentrum des Klangspektrums. Ich hatte nicht immer freie Sicht auf die Bühne, da doch viele größere Köpfe diese behinderten. Aber der Klang war Entschädigung genug. Und in den Momenten, in denen Alexa mitten ins Publikum ging, kam sie quasi immer auf mich zu. Also hatte ich alles richtig gemacht.

Die Soundanlage wirkte gegenüber dem Ambiente des Raumes sehr modern, gut dimensioniert und perfekt auf uns auf der Tanzfläche ausgerichtet. Von dieser sollten wir uns wenig später beeindrucken lassen.

Kleines Manko: die Lüftung im Raum war gefühlt nicht existent. Der Raum war folglich leider sehr stickig.

Publikum

Wie aus dem Bild der Warteschlange ersichtlich, war das Publikum weit gefächert. Vom Teen zum Rentner war alles dabei. Die meisten waren mit Alexa Fesers Musik bestens vertraut, manch andere waren komplett ahnungslos und harrten der Dinge, die da kommen werden. So stellten sich auch die beiden Männer mittleren Alters dar, die ich im Laufe des Konzerts kennenlernte und wir öfters Kontakt hatten. Der eine forsch nach vorne auf die Tanzbühne orientiert. Dies war der absolute Alexa-Fan. Er war bereits auf anderen Konzerten von ihr und er genoss das Konzert in vollen Zügen. Der andere – der Bruder – war zum Mitgehen überredet worden. Er stand im Hintergrund und kannte weder Musik noch Künstlerin. Das drückte sich dann auch damit aus, dass er während des Konzerts für die Beschaffung des Bieres zuständig war. Dennoch habe ich das Gefühl, dass er auch bestens unterhalten wurde.

Aus dem Internet wusste ich, dass das Zoom 500 Besuchern Platz gibt. Das Konzert war – wie auch die anderen Stationen der A1-Tour – restlos ausverkauft.

Vorband

Mit 15 Minuten Verspätung dann die „Vorband“. Eigentlich nur eine Sängerin mit Cello. Wobei sich „eigentlich“ als Trugschluss erwies. Wie Luisa Babarro mit ihrer tollen Stimme und dem sehr einfühlsamen Cello auf den Haupt-Act einstimmte, war aller Ehren wert. Sie spielte uns vier sehr schöne Lieder aus ihrem Repertoire. Darunter das letzte Stück mit Unterstützung durch Alexa am Klavier. Wirklich eine Künstlerin, bei der es sich auf jeden Fall lohnt, sie sich genauer anzuhören. Sie hat kürzlich eine CD herausgebracht, die auch auf Spotify anhörbar ist.

Vorband – Luisa Babarro

Hauptteil

Klang und Musikstücke

Punkt 8 Uhr dann Start des Hauptteils. Alexa Feser kommt mit ihrer vier Mitglieder zählenden Band auf die Bühne. Ab dieser Sekunde beste Unterhaltung für das Publikum. Und ab diesem Moment konnten wir uns von der Qualität der Soundanlage überzeugen. Abgrundtiefe Bässe, perfekt eingespielte Stimmen und exakt eingestellte Lautstärke. In Kombination mit dieser tollen Band und Künstlerin pure Perfektion.

Das Repertoire war sehr groß. Für jeden war etwas dabei. Alle bekannten Lieder aus den beiden vorherigen Veröffentlichungen zum Mitsingen, Mittanzen und Genießen. Aber auch die Lieder des bisher noch nicht veröffentlichten Albums A! kamen nicht zu kurz. Dieser Mix machte den Abend sehr, sehr kurzweilig und wir flogen von einem Highlight zum nächsten.

Entertainment

Aber nicht nur die Lieder waren Highlights. Zwischen den einzelnen Songs unterhielt Alexa mit großem Geschick das Publikum mit interessanten Anekdoten. Es handelte sich um persönliche Dinge, denn Alexa berichtete, dass es sich bei dem Album „A!“ um ihr persönlichstes handelt. Hier ging es besonders um die Geschichten zum Lied. Also wie das Lied entstanden ist, warum der Titel so gewählt wurde und manchmal gab es auch nachdenkliche Worte dazu. Das Publikum hing an ihren Lippen.

Ich erinnere mich hier an eine besondere Passage zu dem Lied „1A“. Hier geht es darum, dass viele Menschen ihren Plan A, ihre Herzensangelegenheit, nicht realisieren. Aus welchen Gründen auch immer, leben diese nur ihren Plan B. Man lebt diesen Plan B, wagt aber nie seinen Plan A – aus welchen Gründen auch immer. Ihr Appell ans Publikum: man soll – egal wie – seinen Plan A versuchen. Wenn es in die Hose geht, dann kann man hinterher sagen: „Ich habe es versucht“. Auf keinen Fall diesen, den Herzenswunsch, nicht ignorieren und liegen lassen.

Auftritt

Was in diesem Konzert rüberkam: Alexa Feser wirkte unglaublich natürlich, zeigte keine Allüren, immer sympathisch und publikumsnah. So ging sie während der Performance öfters mitten unter das Publikum, forderte es auf, näher zu ihr kommen und sie sang inmitten dieses ihre Lieder. Das erste Mal war ich ganz erschrocken, als sie plötzlich ganz nah vor mir stand, aber diese Nähe macht den Reiz der Live-Konzerte aus. Ein tolles Erlebnis.

Emotionen und Eindrücke

In der Periode zwischen der Vorband und dem Start des Hauptkonzerts spürte man im Publikum eine gewisse Unsicherheit. Luisa hatte uns mit ihrer Stimme und fein eingesetzter Cello-Unterstützung den perfekten Rahmen für den Hauptteil geschaffen. Wie wird Alexa wohl den Faden aufnehmen und uns in ihren Bann ziehen versuchen? Schafft sie es? Gelingt der Soundanlage der Spagat zwischen untermalenden, klassischen Klängen hin zu basslastigen, digital unterstützten Passagen?

Das erste Lied der Band zerstreute alle Unsicherheiten. Der Text und die Melodie waren bekannt und die Zuhörer wurden sofort in ihren Bann gezogen. Anfangs sprach vorwiegend die Musik. Alexas zwischen den Liedern an das Publikum gerichtete Worte waren nur pointiert und die Lieder bauten eine Verbindung zwischen Künstlern und Publikum auf. Berührende Texte und die von der Band perfekt unterstützte mitreißende Stimme Alexas ließen das nüchtern-düstere Ambiente des Raums schnell vergessen und man versank komplett in den Eindrücken der Darbietung.

Das Programm fand im Verlauf dank Alexas gekonntem Entertainment die optimale Balance zwischen altbekannten und neuen Songs. Nach Bekanntem kam zunehmend auch Neues. Und dieses Neue wurde von ihr mit Geschichten unterlegt. Die Zuhörer spürten, wie im Laufe des Konzerts mit jedem Lied und mit jedem Wort die Nervosität der Künstlerin schwand und das Band mit dem Publikum immer stärker wurde. Man lachte gemeinsam, erlebte die Entstehungsgeschichte der Songs hautnah mit und versank anschließend in deren Klängen. Wir auf der Tanzfläche direkt vor den Künstlern standen mit im Fokus, fühlten uns als Teil der Show und darin voll integriert.

Ich erinnere mich an einen Augenblick nach ca. 1,5 Stunden. Alexa performte gerade eines meiner Lieblingslieder „Glück“. Mitten auf der Tanzfläche zum Takt schunkelnd und ganz in den Moment versunken, sang ich mit allen Sinnen mit. Das Hier und Jetzt war just so präsent, alles andere als dieser perfekte Moment ganz weit weg. Für mich ein lange nicht mehr gespürtes Gefühl. Das ist die Magie, die Live-Konzerte so einzigartig und unvergesslich macht. An diesem Abend hatte ich hier mein Glück gesucht und gefunden.

Spieldauer und Abschluss

Nach fast 2 Stunden stellte sie ihre tolle Band einzeln mit Namen und Geschichte vor, vergaß auch nicht all diejenigen, die für das Gelingen sonst noch beigetragen haben und mit dem Song „Abschiedlied“ aus dem neuen Album wurde das Programm abgeschlossen.

Fast zumindest, denn es gab natürlich eine lange Zugabe. Nach letztlich 2 ¼ sehr kurzweiligen und unglaublich unterhaltsamen Stunden war das Konzert zu meinem Leidwesen leider beendet. Es hätte noch stundenlang so weitergehen können, so gefesselt war ich davon.

Abschließend lud sie das Publikum ein, zu ihr an den Souvenirtisch zu kommen. Sie würde dort dabei sein.

Während des Konzerts

Nach dem Konzert

Auch nach dem Konzert suchte Alexa Feser am Souvenirtisch die Nähe zu den Fans, die dies sehr gerne annahmen. Auch ich – von diesem unglaublich schönen Konzert noch überwältigt – wollte mein Souvenir mit nach Hause nehmen. Hier nutzte ich es aus, dass ich alleine herkam. So konnte ich ohne Reue eine halbe Stunde in der Schlange stehen, einen kurzen Plausch mit Alexa halten und mein persönliches Autogramm sowie ein gemeinsames Bild mit nach Hause nehmen – ein erfüllter Traum.

Lohn langen Anstehens – Foto mit Alexa Feser

Heimfahrt

Glücklich und bis an meine Haustüre jedes einzelne Lied im Kopf summend, schwebte ich nach Hause. Da war es dann auch egal, dass ich das Parkhaus nicht auf Anhieb fand und ein paar Minuten quer durch Frankfurt irrte.

Fazit

  • Das Konzert war klasse – JEDERZEIT wieder zu Alexa Feser. Beim kleinen Smalltalk berichtete sie mir, dass ihre Tour im Herbst u.a. in Hannover Zwischenstation macht. Das Programm sei nicht identisch mit dem gehörten, sondern noch etwas erweitert. Ich werde – sofern es irgend möglich ist – dorthin fahren. Und sollte es nicht klappen, dann definitiv auf das übernächste Konzert .
  • Die Location „Zoom“ hält mehr als sie verspricht. Die Lüftung ist naja, die sanitären Anlagen renovierungsbedürftig, der Sound aber geil. 500 Zuschauer und eine Anlage, die keine Wünsche offenlässt.
  • Alleine auf Konzert: jederzeit wieder. Man lernt unheimlich schnell Leute kennen, denn diese entspannte Atmosphäre und das gemeinsame Ziel (ein tolles Konzert) machen Kontakte einfach.

Appell

Es hat sich voll gelohnt. Von all den Konzerten, die ich besucht habe, das absolute Highlight. Natürlich ist Musik Geschmackssache, das steht außer Frage. Für mich, dessen Musikgeschmack in viele Richtungen läuft, also Pop, Rock, Chanson, ein wenig Country, Folk und Alternative, aber definitiv das beste Konzert ever. Jeder einzelne im Publikum wurde mitgenommen und ihm vermittelt, dass Konzerte nicht steril und von Abstand geprägt sind. Konzerte dienen der Nähe zu den Fans. Und dies hat Alexa eindrucksvoll in jeder Sekunde des Konzerts bestätigt .

Meine absolute Empfehlung für alle, die auf deutsche Musik mit Tiefgang stehen. Dazu Melodien, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt und Künstler, die das Publikum perfekt mitnehmen und ihnen einen Abend bester Unterhaltung bereiten.

Alleine auf Konzert gehen, muss nicht heißen, dass man etwas vermisst. Gerade die Situation, sich ganz auf das Konzert einzulassen, mit offenen Augen auch die Mitbesucher wahrzunehmen und so offen Kontakte zu knüpfen, stellt einen besonderen Reiz dar. Und es ist niemand, der drängelt, wenn es nach Hause geht und man vielleicht doch die halbe Stunde investieren möchte, um ein Bild bzw. ein persönliches Autogramm des Künstlers zu bekommen.

Ganz klar: Daumen hoch für Konzertgänge alleine – Just do it!

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